Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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An den vier wesentlichen Triebkräften, die den Kauf und die Pacht riesiger Flächen in den Ländern des Südens und Osteuropas befeuern – Nahrungsmittelspekulation, der Einsatz von Agrotreibstoffen, die Suche nach “sicheren“ Anlagen sowie Ernteausfälle aufgrund von Klimawandel und Bodenmüdigkeit – hat sich seit 2008 nichts geändert. Allerdings haben sich bei den investierenden Interessengruppen die Proportionen verschoben: Waren es ursprünglich vor allem Länder mit prekärer Eigenversorgung, die auf der Suche nach mehr Unabhängigkeit von den Fluktuationen der Weltmarktpreise nach Möglichkeiten eines Offshore farming suchten, sind es heute in viel stärkerem Maße Investoren, die auf Steigerungen bei den Lebensmittel- und Bodenpreisen spekulieren. Hinzu kommt noch die Rolle der Europäischen Union und die der EU-„Bio“kraftstofflobby, wie im Folgenden gezeigt wird.

Das Buch “Bodenrausch” von Wilfried Bommert erfüllt die Erwartungen des Rezensenten nicht. Die Ursachen des Landgrabbing werden korrekt benannt, aber die Bedienung von Klischees und die simplifizierte Darstellung bestimmter Phänomen ist ärgerlich. Das Buch schließt mit einem Aufruf an die Zivilgesellschaft, die Welternährungskrise dadurch zu lösen, dass „die Politik“ dazu gebracht wird, „Grenzen zu setzen und Schranken aufzubauen“. Radikale Veränderungen, nämlich die Politik selbst in die Hand zu nehmen, sind für Bommert offenbar keine angemessene Antwort auf die Krise.

Im Juni verkündete das WorldWatch Institute, dass die Zahl der Land grabs im Agrarbereich nach einem Höhepunkt 2009 deutlich zurückgegangen sei. Ob das stimmt und ob es ein anhaltender Trend ist, muss sich zeigen. Angestiegen ist dagegen deutlich die Zahl wissenschaftlicher Studien über großflächige Landnahmen und die damit verbundenen unterschiedlichen Aspekte sowie die Zahl von Büchern, die sich an ein breiteres Publikum richten. Mehr darüber in der Literaturübersicht Nr. 5/Juli 2012:

Am dritten Tag der Suche nach der Ernährungssicherheit für Senegal besuchten wir eine Farm, die Wassermelonen für spanische Supermärkte liefert, und trafen Bauern, die berichteten, wie sie ihr Land an Spekulanten und Investoren verloren haben.

Organisiert von der Entwicklungsorganisation SOS Faim, bereiste ich Anfang Juni den Senegal, um über Ansätze zu einer besseren Eigenversorgung mit Lebensmitteln zu berichten. Denn das kleine westafrikanische Land, das unter anderem drei Viertel seines Reisbedarfs importiert, ist vom Anstieg der Nahrungsmittelpreise besonders betroffen. Zivilgesellschaft und Regierung versuchen nun, diese Abhängigkeit durch eine Steigerung der einheimischen Agrarproduktion zu verhindern. Ein Reise-Tagebuch

Das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat seine Position zum Thema Land Grabbing neu formuliert. Wird damit dem globalen Landraub der Kampf angesagt? Drei kritische Fragen des FIAN-Agrarexperten Roman Herre

Zum Jahreswechsel gehören die Rückblicke auf Ereignisse des vergangenen Jahres, die für wichtig erachtet werden, und der Versuch, vorausschauend mögliche Ereignisse und Entwicklungen zu benennen. Wie sieht das für die Globe-spotting-Themen aus?

Das aktuelle Heft 124 der Zeitschrift PERIPHERIE hat den Themenschwerpunkt ‚Land – Konflikt, Politik, Profit‘ mit Analysen, Fallstudien und einem Stichwort (pdf-Datei 544 kb) zu ‚Land Grabbing‘

Es wird die Argumentation der Weltbank analysiert, dass mit freiwilligen Richtlinien und “klar definierten Landrechten” das Land Grabbing in den Ländern des Südens von einer Bedrohung in eine Entwicklungschance konvertiert werden könne. Mexiko dient der Weltbank dafür als wichtiger Beispiel. Im Gegensatz dazu kommt die vorliegende Analyse zu der Schlussfolgerung, dass sich die realen Verhältnisse in Mexiko von dem „papiernen“ Mexiko, wie es in den Dokumenten der Weltbank zu finden ist, sehr stark unterscheiden. Wenn Mexiko eines der wichtigen positiven Beispiele ist, dieses aber erhebliche Mängel aufweist, dann wird damit das gesamte Konzept freiwilliger Selbstverpflichtungen als Lösungsansatz für die sozialen und ökologischen Folgen des Land Grabbing in Frage gestellt.

Die Regierung in Addis Abeba will im Westen des Landes 245.000 Hektar Zuckerrohrplantagen anlegen und Äthiopien zu einem führenden Zuckerexporteur machen. Das riesige Bewässerungsprojekt im unteren Omo-Tal würde die Lebensbedingungen von bis zu 500.000 Menschen in dieser Grenzregion mit Kenia bedrohen und schwerwiegende ökologische Auswirkungen haben.