Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Langsam geht die Sache ins Geld. Zu fast 50 Millionen Dollar, 42 davon als Strafzahlung, verurteilte am Donnerstag ein Gericht in Arkansas, USA, Bayer Crop Science für die gentechnische Verunreinigung von Reis-Saatgut von 12 Bauern. Die klagenden Reisbauern konnten ihre Ware im Jahre 2006 nicht mehr verkaufen, weil ohne ihr Wissen gentechnisch veränderter Reis in ihrem Saatgut gelandet war, der aus einem Versuch der Firma stammte. Das Urteil ist das vierte seiner Art und die jeweiligen Strafzahlungen sind von Urteil zu Urteil gestiegen. Bayers Problem: Bisher wurden erst 20 von insgesamt fast 500 Klagen verhandelt.

Auf keinem bulgarischen Feld werden gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen”. Damit zitiert Reuters einen Sprecher der regierenden Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens (GERB), die seit Juli letzten Jahres das Land regieren und wie die CDU Mitglied der Europäischen Volksparteien sind. Anstatt, wie ursprünglich geplant, das restriktive bulgarische Gentechnikgesetz aufzuweichen, verschärfte die GERB es nach massiven Protesten und einer Umfrage, die ergab, dass sich 97% der Bürger ein gentechnikfreies Bulgarien wünschen.

Monsanto und die Kleinwanzlebener Saatzucht, KWS, können nochmal aufatmen: Ein Gericht in San Francisco hat am Dienstag den Antrag auf eine einstweilige Verfügung, den Anbau aller gentechnisch veränderten Zuckerrüben in diesem Jahr zu verbieten, abgelehnt. Nachdem Vertreter von Monsanto glaubhaft erklärt hatten, dass eine solche Verfügung den Zuckerpreis in den USA in die Höhe treiben, tausende von Arbeitsplätze gefährden und Verluste von 1,5 Millarden Dollar verursachen würde, hielt Richter Jeffrey White diesen möglichen Schaden für grösser als jenen, den der Anbau für Bio-Landwirte in diesem Jahr haben könnte.

Dalli, Dalli – die erste öffentlich wahrnehmbare Amtshandlung des neuen Verbraucherschutz-Kommissars der Europäischen Union, John Dalli aus Malta, bei dem nach der neuen Geschäftsverteilung alle Macht in Sachen Gentechnik zusammengelegt wurde, ist eine Morgengabe an die BASF. Obwohl mittlerweile eine gleichwertige gentechnikfreie Züchtung auf dem Markt ist und die aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts stammende BASF-Kartoffel “Amflora” mit Antibiotikaresistenz-Genen ausgestattet ist, die eigentlich gar nicht mehr eingesetzt werden sollen, hat er heute gegen die Mehrheit der Bevölkerung, aber auch der Regierungen der Mitgliedsstaaten die Industrie-Knolle zugelassen, die es auch schon namentlich als Ausbund von Zukunftstechnologie in den Koalitionsvertag der schwarz-gelben Bundesregierung geschafft hat.

“Thick as a brick”? Rund tausend Jugendliche trafen sich auf der letzten iGEM, der International Genetically Engineered Machine competition, einem jährlich am MIT in Boston ausgetragenen Wettbewerb für Studenten um die genialsten synthetischen biologischen Systeme. Den Sommer über werkeln sie mit DNA-Teilen an ihren Kreationen, die ihnen vom Standard Registry of Biological Parts der Bio-Brick-Stiftung im Open Source Verfahren per Post zugeschickt wird. Im Herbst treffen sich die Nachwuchs-Kreationisten des 21. Jahrhunderts dann zur grossen Jamboree, auf der die beste Do-it-Yourself-Gentechnik-Kreation prämiert wird.

Was macht eine schwarzbunte Kuh mittags auf dem Eis vor dem Hambuger Rathaus mit ihrem Bauern? Die beiden sind mal wieder gegen Gentechnik. Drinnen beschloss eine ganz grosse Koalition aus CDU und GAL, SPD und Linken in einem gemeinsamen Antrag ein gentechnikfreies Hamburg.

“Bt-Brinjal”, eine Gentechnik-Aubergine aus dem Hause Monsanto sollte die Tür zur Gentechnik-Landwirtschaft in Indien aufstossen. Doch fürs erste, so verkündete heute der indische Umweltminister Jairam Ramesh nach heftigen Auseinandersetzungen im ganzen Lande, bleibt diese Türe geschlossen: “Die Öffentlichkeit ist dagegen. Es ist meine Pflicht, eine vorsichtige, vorsorgende und prinzipienfeste Herangehensweise zu garantieren,” sagte er heute und verkündete stattdessen ein Moratorium, um weitere Tests und einen breiteren gesellschaftlichen Konsens in der Frage zu ermöglichen.

Wenn “China Daily”, die größte englischsprachige Zeitung der chinesischen Regierung ein Thema diskutiert, signalisiert dies im Reich der Mitte zunächst eines: Kritik ist erlaubt. Keine Selbstverständlichkeit in einem Land, in dem die Zensur noch immer den öffentlichen Diskurs bestimmt. Am vergangenen Donnerstag berichtete China Daily erstmals über Widerstand und Bedenken gegen das im November erteilte Sicherheitszertifikat der nationalen Biosicherheitsbehörde, das dazu führen könnte, dass gentechnisch veränderter Reis in drei bis fünf Jahren im größten Reisland der Erde kommerziell angebaut wird.

Äthiopien ist ein besonders augenfälliges Beispiel für die Problematik der Land­nahme durch ausländische Investoren, die seit drei, vier Jahren unter anderem in Afrika verstärkt stattfindet. Die Regierung fördert diesen Prozess intensiv und wird dabei von Gebern wie der Weltbank mit einer exportorientierten Entwicklungsstra­tegie massiv unterstützt.

Kanadischen Farmern ist die Verunreinigung ihrer Ernte mit der gentechnisch veränderten Flachs-Sorte “Triffid”, die nirgends auf der Welt mehr zugelassen ist, in die Glieder gefahren. Ein Desaster: Die Preise für ihr Omega-3-Fettsäure haltiges Gesundheitsprodukt brechen ein und ein 300 Millione Dollar Markt ist in Gefahr, wie die kanadische Globe and Mail berichtet. Triffid wurde mittlerweile in 36 Staaten rund um den Globus gefunden.