Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

Durchsuche Beiträge mit Schlagwörtern Gentechnik

Als José Graziano da Silva vergangenen Juni zum neuen FAO-Chef gewählt wurde, gab es selbst von der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam Vorschusslorbeeren. Denn der 61-jährige Brasilianer gilt als erfolgreicher Kämpfer gegen den Hunger in der Welt. Ein Gastbeitrag von Norbert Suchanek

Britische Forscher melden einen „Durchbruch“ beim Schutz von Tieren gegen Virusinfektionen. In der Wissenschaftszeitschrift Science berichten sie darüber, dass Hühner genetisch so verändert wurden, dass die Übertragung der Vogelgrippe sowohl von Tier zu Tier als auch von Tier zu Mensch unterbunden werde. Davon versprechen sie sich nicht nur wirtschaftliche Vorteile für die Industrie, sondern auch eine größere Akzeptanz für die Anwendung von Gentechnologie bei der Produktion von Nahrungsmitteln. Ein Kommentar von Uwe Hoering

Trotz seines Aufstiegs zur globalen Wirtschaftsmacht ist China nach wie vor auch noch ein Agrarland. Dank einer erfolgreichen landwirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen drei Jahrzehnten kann das Land seine inzwischen 1,3 Milliarden Einwohner weitgehend selbst ernähren, gleichzeitig steigen die Agrarexporte und das Auslandsengagement chinesischer Agrarunternehmen. Diese unbekannte Seite von Chinas Entwicklung und ihre Probleme und Auswirkungen behandelt die neue Broschüre „Landwirtschaft in China: Zwischen Selbstversorgung und Weltmarktintegration“.

Die aktuellen Auseinandersetzungen um die Einführung gentechnisch veränderter Auberginen (Bt-brinjal) haben ihren Vorläufer in der Kampagne gegen die Einführung von Bt-Baumwolle durch den US-amerikanischen Konzern Monsanto Ende der 1990er Jahre, die gleichzeitig eine wichtige Mobilisierung gegen neoliberal inspirierte Modernisierungsstrategien im Agrarbereich war. Ihre Massenbasis hatte sie durch Karnataka Raiya Ryota Sangh, KRSS, eine der sogenannten „neuen Bauernbewegungen“.

Kubas Landwirtschaft befindet sich in einer wichtigen Phase. Es existieren günstige Voraussetzungen, um mittelfristig Ernährungssouveränität zu erreichen und es besteht der politische Wille, die ehemals industriell geprägte Landwirtschaft Kubas in eine solche zu transformieren, die von hoch produktiven, nachhaltig wirtschaftenden bäuerlichen Betrieben bestimmt wird. Aber der bewunderten »Revolution der Nachhaltigkeit« droht Gefahr aus der eigenen gentechnischen Ecke. Seit kurzem ist die Diskussion um dieses Thema entbrannt.

Seit einigen Jahren versuchen Agrokonzerne wie Monsanto, sich mit der Conservation Agriculture, bei der auf mechanische Bodenbearbeitung weitgehend verzichtet wird, ein grünes Image zu geben. Dabei werden sie tatkräftig unterstützt durch scheinbar neutrale Instanzen wie die UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation FAO. Besonders attraktiv an der „erhaltenden Landwirtschaft“: Sie könnte sich für die Agrarindustrie als zusätzlicher Profittriebsatz erweisen und Gensoja zum Klimaretter stilisieren.

Einen interessanten Beitrag dazu wie realistisch und ehrlich es ist, auf Basis der Übereinstimmung, über die grundlegende Fragen nicht übereinzustimmen, technische und wirtschaftliche Kompromisse der Koexistenz beim Gentechnik-Anbau zu suchen, lieferte der wissenschaftliche Beirat des Landwirtschaftsministeriums. Mit etwas gutem Willen und reichlich Gentechnik in der gentechnikfreien Produktion, vor allem im Saatgut, ist in den Augen der Wissenschaftler die Quadratur des Kreises eigentlich gar kein Problem. Die Empfehlungen der Wissenschaftler ließ Ministerin Ilse Aigner vorsorglich nur durch einen Staatssekretär entgegennehmen.

Die EU Kommission will künftig allen Mitgliedsstaaten freistellen, den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ohne wissenschaftliche Begründungen zu verbieten. Mit diesem Schritt hofft sie, Staaten, die den Gentechnikanbau ablehnen, zu befrieden und jenen, die ihn vorantreiben wollen, bessere Voraussetzungen zu schaffen. Anders sei der tote Punkt des europäischen Gentechnik-Streits nicht zu überwinden. Ein Sieg der Anti-Gentechnikbewegung mit Phyrrus-Potential.

Gammelfleisch, Käfighaltung, Vogel- und Schweinegrippe bringen die industrielle Fleischerzeugung immer wieder in die Schlagzeilen. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit blieb dagegen der Transformations- und Konzentrationsprozess, den die Industrie in den vergangenen Jahren vollzogen hat. Einige wenige Unternehmen kontrollieren inzwischen die gesamte Produktions- und Wertschöpfungskette. Mit dieser Entwicklung und ihren vielfältigen negativen Auswirkungen auf Gesundheit von Mensch und Tier, auf die natürliche Umwelt und die bäuerliche Landwirtschaft wird sich das globe-spotting-SPECIAL „Ware Fleisch“ in den kommenden Monaten beschäftigen.

Eine wirklich grosse Koalition aus Greenpeace, dem Deutschen Bauernverband, Misereor, der hessischen Landesregierung, der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und vielen, vielen anderen hatte heute Grund zum feiern: Das Europäische Patentamt hat endlich ein von Monsanto auf besonders fleischreiche Schweinerassen angemeldetes Patent widerrufen. Ein guter Anlass für die Politik, endlich dem wirren Patent-Treiben auf Tiere, Pflanzen, Gene und sogar menschliche Zellen ein Ende zu bereiten.