Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

Auf keinem bulgarischen Feld werden gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen”. Damit zitiert Reuters einen Sprecher der regierenden Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens (GERB), die seit Juli letzten Jahres das Land regieren und wie die CDU Mitglied der Europäischen Volksparteien sind. Anstatt, wie ursprünglich geplant, das restriktive bulgarische Gentechnikgesetz aufzuweichen, verschärfte die GERB es nach massiven Protesten und einer Umfrage, die ergab, dass sich 97% der Bürger ein gentechnikfreies Bulgarien wünschen.

Weniger Wasser, geringere Kosten, und dennoch hohe Erträge – das sind einige der Vorteile, die ein alternatives Konzept für den Reisanbau (System of Rice Intensification) verspricht. Auch in China stößt es als möglicher Beitrag zur Ernährungssicherheit zunehmend auf Interesse. Norman Uphoff, ein führender Verfechter des Konzepts, hofft auf den Durchbruch für die umweltverträgliche, besonders für kleinbäuerliche Betriebe geeignete Methode.

Geahnt hatten wir es schon lange, behauptet noch länger, bleibt also nur noch, es jetzt auch zu beweisen: Der ganze Energieverbrauch der Welt läßt sich auch ohne Öl, Atom und Kohle decken. Alles was wir dazu brauchen ist eine “4. Revolution”. Die präsentiert der gleichnamige Film von Carl Fenchner mit einem drive, schönen Bildern und anrührenden Geschichten wie sie in dem aufsteigenden Genre des Dokumentarfilms mit Botschaft noch selten sind. Finanziert von Hunderten von Menschen und Unternehmen, unterstützt von einer wachsenden Gemeinde von “Event-Partnern” ist die 4. Revolution zudem ein fortgeschrittenes Beispiel von Medienaktivismus: Energie-Autonomie ist machbar, Herr Nachbar.

Monsanto und die Kleinwanzlebener Saatzucht, KWS, können nochmal aufatmen: Ein Gericht in San Francisco hat am Dienstag den Antrag auf eine einstweilige Verfügung, den Anbau aller gentechnisch veränderten Zuckerrüben in diesem Jahr zu verbieten, abgelehnt. Nachdem Vertreter von Monsanto glaubhaft erklärt hatten, dass eine solche Verfügung den Zuckerpreis in den USA in die Höhe treiben, tausende von Arbeitsplätze gefährden und Verluste von 1,5 Millarden Dollar verursachen würde, hielt Richter Jeffrey White diesen möglichen Schaden für grösser als jenen, den der Anbau für Bio-Landwirte in diesem Jahr haben könnte.

März 2010: Im Februar veröffentlichte die UN-Organisation für Ernährung und Landwirt­schaft, FAO, ihren jährlichen Bericht „The State of Food and Agriculture„, mit dem Themenschwerpunkt Tierhaltung („Livestock in the Balance„). Die Kernaussage: Die rasche Transformation und weltweite Industrialisierung der Fleischerzeugung verdrängt immer mehr Hirtenvölker und kleine Betriebe, die Landwirtschaft und Viehhaltung verbinden, und trägt damit zur Verschärfung von Armut und Umweltzerstörungen bei.  Eine Zusammen­fassung, von Uwe Hoering.

Dalli, Dalli – die erste öffentlich wahrnehmbare Amtshandlung des neuen Verbraucherschutz-Kommissars der Europäischen Union, John Dalli aus Malta, bei dem nach der neuen Geschäftsverteilung alle Macht in Sachen Gentechnik zusammengelegt wurde, ist eine Morgengabe an die BASF. Obwohl mittlerweile eine gleichwertige gentechnikfreie Züchtung auf dem Markt ist und die aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts stammende BASF-Kartoffel “Amflora” mit Antibiotikaresistenz-Genen ausgestattet ist, die eigentlich gar nicht mehr eingesetzt werden sollen, hat er heute gegen die Mehrheit der Bevölkerung, aber auch der Regierungen der Mitgliedsstaaten die Industrie-Knolle zugelassen, die es auch schon namentlich als Ausbund von Zukunftstechnologie in den Koalitionsvertag der schwarz-gelben Bundesregierung geschafft hat.

“Thick as a brick”? Rund tausend Jugendliche trafen sich auf der letzten iGEM, der International Genetically Engineered Machine competition, einem jährlich am MIT in Boston ausgetragenen Wettbewerb für Studenten um die genialsten synthetischen biologischen Systeme. Den Sommer über werkeln sie mit DNA-Teilen an ihren Kreationen, die ihnen vom Standard Registry of Biological Parts der Bio-Brick-Stiftung im Open Source Verfahren per Post zugeschickt wird. Im Herbst treffen sich die Nachwuchs-Kreationisten des 21. Jahrhunderts dann zur grossen Jamboree, auf der die beste Do-it-Yourself-Gentechnik-Kreation prämiert wird.

Die Zukunft verheißt nichts Gutes: Das Scheitern des Klimagipfels und das kaum überraschende Beharren der führenden Industrieländer auf den bisherigen Positionen der Landwirtschafts- und Ernährungspolitik lassen vermuten, dass die Zuspitzung der Welternährungskrise noch dramatischer verlaufen wird als bisher eingestanden – ein Trend, der Erinnerungen an die Food Riots in 39 Ländern in 2007/2008 wach ruft. Zeitliche Dichte und globale Verbreitung dieser Ereignisse waren beispiellos und alarmierten die Zentren der Macht. Die Wiederkehr von Food Riots scheint nur eine Frage der Zeit.

Grün und europäisch, irgendwie dynamisch brav, so kommt das neue Biosiegel der EU daher, das ab 1. Juli alle Bioerzeugnisse schmücken soll. Designerisch ist es gegenüber dem alten logo fraglos ein Fortschritt; auch wenn es inhaltlich (wie auch das deutsche Biosiegel) das  Zeichen für den niedrigsten verfügbaren Biostandard nach der EU-Öko-Verordnung bleibt. Pünktlich zur morgigen Eröffnung der Biofach in Nürnberg ist das neue logo, das von einem Düsseldorfer Desingstudenten entworfen wurde, jetzt fertig.

Der Film “Bananas!” des schwedischen Dokumentarfilmers Frederik  Gertten ist ein erschütternder, mutiger und kontroverser Film. Berlinale Besucher sollten ihn nicht verpassen. Denn noch ist ungewiss ob er je in deutschen Kinos zu sehen sein wird. Die Weltfirma Dole, von deren Bananenarbeitern er handelt, versucht ihn mit allen Mitteln zu unterdrücken; zumindst solange die Öffentlichkeit sich dies gefallen läßt.