Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

Kritischer Dialog über Ernährungssouveränität (Kolloquium); Chancen für PPP in Indiens Bewässerungslandwirtschaft; Agrar-Vision der Afrikanischen Entwicklungsbank; PPP: When Business Meets Aid; Etappensieg für die Gentech-Industrie; Landgewinnung auf die unschöne Art; Biotechnologien für Familienbetriebe; ChinIndische Annäherung beim Streit um Flüsse; „Nachdenkliche“ Agrarinvestoren helfen Afrika; u.a.m.

Kürzlich erschien das Buch »Die grüne Matrix. Naturschutz und Welternährung am Scheideweg.« Die Tageszeitung junge Welt veröffentlichte eine unter Weglassung von Fußnoten und Literaturhinweisen gekürzte Fassung des Abschnitts »Agrarökologie – Definitionen, Kontext und Potentiale«.
Die »Scharnierfunktion« der Agrarökologie zwischen Natur- und Gesellschaftswissenschaft existierte nicht von Anbeginn. Als der Begriff im Jahr 1928 von dem sowjetischen Agronomen B.M. Bensin geprägt wurde, war damit ausschließlich Biologisches gemeint – das Zusammenleben von Organismen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen. Heute definieren renommierte AutorInnen diese Wissenschaftsdisziplin als »integrative Erforschung der Ökologie des gesamten Nahrungsmittelsystems, einschließlich seiner ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimensionen« (Francis und Mitautoren 2003).

Opportunity Africa„; Agrarindustrie und Familienbetriebe in Brasilien; Die Weltbank und Großstaudämme – Déjà-vu; Afrikas Landwirtschaft im Umbruch; Gemeinsamkeiten von Naturschutz und ‚Land grab‘; Partnerschaft für Wachstum der Aquakultur; 2014: International Year for Family Farming; US-Exportförderung für Afrika auf dem Prüfstand; Familienbetriebe in der Landwirtschaft; u.a.m.

Das Ernährungssicherungs-Gesetz in Indien
von Uwe Hoering, Oktober 2013

Das Recht auf Ernährung ist, so scheint es, mittlerweile allgemein anerkannt. Jetzt kommt es darauf an, den Anspruch auf Zugang zu ausreichender Nahrung auch umzusetzen. Das Ernährungssicherungs-Gesetz (National Food Security Bill), das Anfang September vom indischen Parlament verabschiedet wurde, könnte ein Meilenstein dafür sein. Und es könnte den Widerspruch zwischen überquellenden Vorratslagern und Getreideexporten auf der einen Seite, verbreitetem Hunger auf der anderen lösen. Doch die Chancen dafür stehen schlecht.

„Es ist traurig, dass so viele junge Leute die ländlichen Regionen verlassen haben“, bedauert James Mutebi von der Caritas Kampala. Man trifft sie überall in der quirligen, aus allen Nähten platzenden Hauptstadt. An jeder Straßenecke steht ein Pulk von Motorradfahrern, die auf Kunden warten. Die Zahl dieser Boda-Boda-Fahrer ist groß, die Konkurrenz riesig. Viele müssen sich ein Motorrad mieten, vom Verdienst bleibt dann oft nur wenig übrig. Benedict Kalungi kann sie denn auch nur bedauern. „Wenn man es richtig macht, kann man von der Landwirtschaft sehr viel besser leben“, sagt er. Er hat seine eigene kleine Farm, mit Obstbäumen, Kochbananen, Gemüse, Heilkräutern und Gewürzen, auch etwas Kleinvieh. „Wir sind es doch, die die Menschen in den Städten ernähren“, verkündet er stolz. Eine Reportage aus Uganda von Uwe Hoering.

Agrarforschung demokratisieren; Afrikanischer Hummer für China; Erfahrungen mit SRI in Osttimor; Landfragen in Afrika – Online-Literatur; Unternehmensverantwortung neu definiert; Agrobusiness in Mosambik; „Kampagne für innovative Lösungen“; Brunnen und Toiletten in Afrika mit Coca-Cola; u.a.m.

von Uwe Hoering, September 2013

Das Konzept der Ernährungssouveränität hat sich als wirkungsvolle Kritik an der kapitalistischen industriellen Landwirtschaft und als Gegenentwurf für eine landwirtschaftliche und ländliche Entwicklung, die an der Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft ansetzt, etabliert. Bei einer internationalen Konferenz Mitte September an der Yale University soll es einem „kritischen Dialog“ unterzogen werden. Provokanter Einstieg in die Diskussion ist der Beitrag „Food Sovereignty: A skeptical view“ von Henry Bernstein, der sich mit dem Konzept „as a political project and campaign, an alternative, a social movement, and an analytical framework“ auseinandersetzt.

Reis für Afrika; Weltbank-Rezept für Wohlstand für alle in Afrika; Auftakt für Erklärung kleinbäuerlicher Rechte; Die Meere neu denken; Bibliografie über Eigentumsrechte; Transformation der Landwirtschaft; Unternehmens-PR als Entwicklungshilfe; Trade regulation for food security; u.a.m.

Seit 2006 bemüht sich, relativ wenig beachtet, die „Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika“, den profitablen Teil der afrikanischen Landwirtschaft in den Weltmarkt zu integrieren. Hinzu kommt, dass parallel dazu, ebenfalls in Afrika, seit 2010 versucht wird, eine wichtige Komponente agrarökologischer Anbauverfahren unter private Kontrolle zu bringen – die biologische Anreicherung von Stickstoff im Boden. Wiederum gehört die Bill & Melinda Gates-Stiftung zu den Hauptakteuren.

Vor knapp einem Jahr veröffentlichte ein Team um den französischen Professor Gilles-Eric Séralini Ergebnisse zur krebserregenden Wirkung und anderen Gesundheitsschäden an Ratten, nachdem diese 24 Monate lang mit gentechnisch verändertem NK603-Mais gefüttert wurden. Daraufhin wurde von der Gentechnik-Lobby eine Kampagne losgetreten, die dem Muster zu früheren Anlässen glich. Doch im Fall von Séralini funktionierte das Spiel, die Karriere kritischer WissenschaftlerInnen zu zerstören, nicht. Stattdessen reagierte die Politik, d.h. die EU-Kommission, mit der Ausschreibung von Forschungsgeldern, um die möglichen Effekte im Rahmen einer noch größeren Studie zu untersuchen.