Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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März 2010: Im Februar veröffentlichte die UN-Organisation für Ernährung und Landwirt­schaft, FAO, ihren jährlichen Bericht „The State of Food and Agriculture„, mit dem Themenschwerpunkt Tierhaltung („Livestock in the Balance„). Die Kernaussage: Die rasche Transformation und weltweite Industrialisierung der Fleischerzeugung verdrängt immer mehr Hirtenvölker und kleine Betriebe, die Landwirtschaft und Viehhaltung verbinden, und trägt damit zur Verschärfung von Armut und Umweltzerstörungen bei.  Eine Zusammen­fassung, von Uwe Hoering.

Dalli, Dalli – die erste öffentlich wahrnehmbare Amtshandlung des neuen Verbraucherschutz-Kommissars der Europäischen Union, John Dalli aus Malta, bei dem nach der neuen Geschäftsverteilung alle Macht in Sachen Gentechnik zusammengelegt wurde, ist eine Morgengabe an die BASF. Obwohl mittlerweile eine gleichwertige gentechnikfreie Züchtung auf dem Markt ist und die aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts stammende BASF-Kartoffel “Amflora” mit Antibiotikaresistenz-Genen ausgestattet ist, die eigentlich gar nicht mehr eingesetzt werden sollen, hat er heute gegen die Mehrheit der Bevölkerung, aber auch der Regierungen der Mitgliedsstaaten die Industrie-Knolle zugelassen, die es auch schon namentlich als Ausbund von Zukunftstechnologie in den Koalitionsvertag der schwarz-gelben Bundesregierung geschafft hat.

Der Film “Bananas!” des schwedischen Dokumentarfilmers Frederik  Gertten ist ein erschütternder, mutiger und kontroverser Film. Berlinale Besucher sollten ihn nicht verpassen. Denn noch ist ungewiss ob er je in deutschen Kinos zu sehen sein wird. Die Weltfirma Dole, von deren Bananenarbeitern er handelt, versucht ihn mit allen Mitteln zu unterdrücken; zumindst solange die Öffentlichkeit sich dies gefallen läßt.

Einmal im Jahr beherrschen ein Teint und eine Kluft das Kleinberlin rund um den Funkturm, die sonst im Bild der Stadt kaum vorkommen: Rote Backen, auch Nasen, ein natürlicher Glanz von frischem Speck und ein Blick, der es nicht gewohnt ist, an Menschen vorbeizusehen, deshalb zuweilen ein wenig unsicher wirkt und doch ein selbstverständliches Selbstbewußtsein ausstrahlt. Lodenmäntel, Lederhosen, Kammgarn-Anzüge und andere zeitlose Festtagsaufzüge, die garantiert nicht von Boss oder Armani stammen:  Die deutsche Bauernschaft, die es sich leisten kann, trifft sich zur Grünen Woche.

“Von Krise war auf der Anuga nichts zu spüren”, bilanzierte der Präsident des Bundesverbandes des deutschen Lebensmittelhandels (BVL) das Ergebnis der weltgrößten Ernährungsmesse in Köln, “Gegessen wird eben immer.” Wirklich? Die FAO veröffentlichte gestern ihren neuesten Bericht zur Welternährungslage: Die Zahl der Unterernährten hat einen neuen Weltrekord aufgestellt: 1,02 Milliarden Menschen. Ein Sechstel der Menschheit hungert. Ein anderes Sechstel leidet an Fettsucht. Das war die Zielgruppe der globalen Fertiggericht-, Aroma-, Fleisch- und Zuckerschau. Brutaler als mit dem offziellen logo der Veranstaltung, dessen gestylte Lippen eine kleine quadratische Erde vernaschen, läßt sich der Zustand der Welternährung kaum ausdrücken.

Was stellen Sie sich unter „Bioökonomie” vor? Vielleicht, wie Bioprodukte sich rechnen, oder die Wirtschaft „bio” wird oder das Leben seine eigene Ökonomie hat? Man rätselt was die neue Kreation uns sagen will und wer vor allem uns die Botschaft schickt. Bio heißt Leben, Oikos der Haushalt, soviel haben wir gelernt, klingt irgendwie schick, soll es wohl auch.  Neuerdings hat Deutschland einen Bioökonomie-Rat. Mit zwei Millionen Euro Taschengeld von Forschungsministerin Annette Schavan alimentiert, soll er „wissenschaftlich fundierte Analysen zur nachhaltigen Nutzung von Biomasse entwickeln und Vorschläge für eine nationale Innovationsstrategie machen.”  Wir sind enttäuscht: Alles eine Biomasse? Dann lesen wir die Mitgliederliste des Rates und sind noch enttäuschter: Ausschließlich hochkarärtige Technokraten und Manager aus Industrie und Wissenschaft mit grober Gentechnik-Schlagseite.