Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Die industrielle Landwirtschaft ist an den Verbrauch fossiler Brennstoffe gekoppelt. Kleinbauern produzieren energieeffizienter als Großbetriebe. Im Extremfall ergibt sich ein Unterschied um bis zum Hundertfachen zwischen den beiden Anbausystemen, d.h. in der industriellen Landwirtschaft werden bis zu zehn Kilokalorien und mehr aufgewendet, um eine Kilokalorie Nahrung zu erzeugen. In der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, bei der auf den Einsatz von Agrochemikalien und schwerer Technik verzichtet wird und wo durch agrarökologische Methoden trotzdem gute Erträge gesichert werden, können aus einer Kilokalorie extern zugeführter Energie bis zu zehn Kilokalorien Nahrung entstehen. Insofern ist die von internationalen Institutionen und westlichen Regierungen forcierte Umstellung der kleinbäuerlichen Produktion in den Ländern des Südens auf eine inputintensive Landwirtschaft in hohem Maße unverantwortlich, denn die Folgen bei Erschöpfung der Erdölvorräte sind absehbar.

Bei Mastfabriken gibt es eine Besonderheit, die sie von anderen Investitionen unterscheidet: In kaum einer anderen Branche dürfte der lokale Widerstand gegen Direktinvestitionen so häufig anzutreffen sein wie hier. Die mit dem Angebot der „Schaffung von Arbeitsplätzen“ Beglückten erkennen sehr bald und oftmals rechtzeitig bevor es überhaupt zur Investition kommt, dass mit den wenigen entstehenden Arbeitsplätzen erhebliche Probleme für Umwelt und Gesundheit verbunden sind. Es überrascht dann kaum, dass sich die „Schaffung von Arbeitsplätzen“ zudem als Mogelpackung entpuppt. Wir werfen einen Blick auf Schweinemastanlagen in Ostdeutschland, Polen und Litauen.

Von Uwe Hoering, März 2014: Nicht nur die Gas- und Öllieferungen für Europa und die Welt könnten durch den Konflikt um die Ukraine und eventuelle Sanktionen beeinträchtigt werden, sondern auch die Getreideversorgung. Noch sitzt die Welt auf einer Rekordernte, die die Preise bislang stabilisiert hat. Doch Händler in den USA beginnen bereits, über „Konflikt-Aufschläge“ nachzudenken, die Preise für Weizen und Mais steigen.

Industrielle Schweinmastanlagen zerstören die Umwelt, rufen gesundheitliche Schäden hervor, verunreinigen das Grundwasser sowie Oberflächengewässer. All das bekommen auch die BewohnerInnen des Perote-Tals im mexikanischen Bundesstaat Veracruz zu spüren. Doch es bedurfte erst des Ausbruchs der vom H1N1-Virus hervorgerufenen Schweinegrippe im Jahr 2009, um die dortigen Verhältnisse ins Rampenlicht der internationalen Öffentlichkeit zu rücken. Der Ursprung dieser zeitweise von der Weltgesundheitsorganisation als globale Epidemie (Pandemie) eingestuften Grippewelle ließ sich in den Ort La Gloria zurückverfolgen. Seit September gehören die Mastfabriken des Perote-Tals dem chinesischen Konzern Shuanghui.

Der offizielle Start von vier Großprojekten des »German Food Partnership«-Programms (GFP) am 5.11.2013 war Anlass zu scharfer Kritik an dieser »Entwicklungspolitik im Dienst deutscher Konzerne«. Von der Vorgehensweise und von der Struktur her ähnelt diese »Partnerschaft«, an der BASF, Bayer Cropscience, aber auch die Handelskette Metro, der Verband der Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen und die Düngemittelindustrie beteiligt sind, der »Alliance for a Green Revolution in Africa«. Bei beiden geht es um die Schaffung vertikal integrierter Wertschöpfungsketten, bei denen bekanntlich der Wert vor allem am unteren Ende der Kette von den Bäuerinnen und Bauern geschaffen und dann schrittweise nach oben transferiert wird.

November 2013: Ende Oktober wurde eine Studie über Zertifizierungssysteme für Kaffee, Kakao und Baumwolle vorgestellt, die die Industrie-Stiftung SUSTAINEO in Auftrag gegeben hatte. Sie bestätigt, dass dadurch die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen für die Mehrheit der Kleinbauern kaum verbessert werden. Gleichzeitig bietet sie einen guten Einblick in die Denke der beteiligten Konzerne.

Vor knapp einem Jahr veröffentlichte ein Team um den französischen Professor Gilles-Eric Séralini Ergebnisse zur krebserregenden Wirkung und anderen Gesundheitsschäden an Ratten, nachdem diese 24 Monate lang mit gentechnisch verändertem NK603-Mais gefüttert wurden. Daraufhin wurde von der Gentechnik-Lobby eine Kampagne losgetreten, die dem Muster zu früheren Anlässen glich. Doch im Fall von Séralini funktionierte das Spiel, die Karriere kritischer WissenschaftlerInnen zu zerstören, nicht. Stattdessen reagierte die Politik, d.h. die EU-Kommission, mit der Ausschreibung von Forschungsgeldern, um die möglichen Effekte im Rahmen einer noch größeren Studie zu untersuchen.

In zwei neuen Berichten sorgen sich Weltbank und IFPRI, das Internationale Forschungsinstitut für Ernährungspolitik, um die Entwicklung der Landwirtschaft, besonders in Afrika, um den Hunger und die Armut und machen Vorschläge für Lösungen, bei denen die bäuerliche Landwirtschaft allerdings nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ein Literatur-Bericht.

Hungerbekämpfung als ‚Geschäftsmodell‘; ‚Fleischatlas‘ mit weißen Flecken; ‚Der kritische Agrarbericht 2013‘ ist erschienen; Handbook of Land and Water Grabs in Africa; Landkonzessionen in Laos – eine Bestandsaufnahme; ‚Fracking‘ in Europa; u.a.m.

Milchkonzerne drängen auf Wachstumsmarkt Indien; Deutsche Verpackungen für Afrikas Agrarprodukte; Aufbauhilfe für Agrarkonzerne in der Ukraine; Gemeinsames Erbe Meere; Wer ist für den Hunger verantwortlich?; Gentech-Baumwolle aus China für Mosambik; Tröpfchenbewässerung gewinnt an Boden; u.a.m.