Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Damit im Jahre 2050 rund 9 Milliarden Menschen genug zu essen haben, muss die landwirtschaftliche Produktion um mindestens 70% steigen. Auf Basis dieses Lehrsatzes der Welternährungsorganisation FAO diskutieren heute und morgen 300 geladene Experten in Rom über die Frage „How to feed the world in 2050″.  Dieses Verdikt der FAO ist bei Lichte betrachtet ein Weltuntergangs-Rezept. Jeder weiss das; aber keiner will die Wahrheit als erster aussprechen. Eine Milliarde Hungernde sind dabei die Geisel in einem makabren Schattenspiel um des Kaisers neue Kleider. Was wir brauchen sind keine weiteren globalen Produktionssteigerungen (wohl aber lokale), sondern vor allem eine Effizienzrevolution. Die von der FAO geforderten Investitionen in die Landwirtschaft von jährlich 83 Milliarden Dollar sind zwar ein richtiger Anhaltspunkt. Die von ihr genannten Ziele nicht.

Ein Bericht der Deutschen Bank Research unter dem Titel “Lebensmittel eine Welt voller Spannung” konstatiert in bisher ungekannter Klarheit: “Die Landwirtschaft muss sich ändern, um die Welt zu ernähren.” Die Analyse der jüngsten Erkenntnisse zu Marktentwicklung und Nachhaltigkeit der weltweiten Landwirtschaft, insbesondere auch des Weltagrarberichts, liest sich über weite Strecken wie eine verdichtetes Papier von Entwicklungs- und Umweltorganisationen. Eine gut getimte Grundlage für globale Diskussionen über die Welt-Hungerlage, die Aufgaben eines neuen Verbraucher- und Landwirtschaftsministers und die Reform der EU-Agrarpolitik.

Mit der Worthülse »Nachhaltigkeit« versehen, favorisieren FAO und Weltbank »hochproduktive Systeme«, d.h. Hochleistungssorten, deren Ertragspotential nur unter Einsatz von Intensivbewässerung, Pestiziden und chemischer Düngung ausgeschöpft werden kann.
Die Verfechter alternativer Strategien fordern eine stärkere Unterstützung der landwirtschaftlichen Entwicklung in den Ländern des Südens, die sich mit dem Begriff »Ernährungssouveränität« (Via Campensina) subsumieren lässt – tatsächliche Nachhaltigkeit, die eine darauf ausgerichtete Agrarforschung einschließt.