Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

Durchsuche Beiträge in Ernährungskrise

Das Buch “Bodenrausch” von Wilfried Bommert erfüllt die Erwartungen des Rezensenten nicht. Die Ursachen des Landgrabbing werden korrekt benannt, aber die Bedienung von Klischees und die simplifizierte Darstellung bestimmter Phänomen ist ärgerlich. Das Buch schließt mit einem Aufruf an die Zivilgesellschaft, die Welternährungskrise dadurch zu lösen, dass „die Politik“ dazu gebracht wird, „Grenzen zu setzen und Schranken aufzubauen“. Radikale Veränderungen, nämlich die Politik selbst in die Hand zu nehmen, sind für Bommert offenbar keine angemessene Antwort auf die Krise.

Gestützt auf einen autoritativen Bericht der FAO wird vermittelt, dass die Behauptung, die gestiegene Nachfrage nach Nahrungsmitteln sei auf den wachsenden Wohlstand in China und Indien zurückzuführen, ein Mythos ist. Im Gegenteil: Wachsende Massenarmut senkt dort gesamthaft den Nahrungskonsum. Der globale Nahrungskonsum verlangsamt sich. Immer mehr Lebensmittel gehen in die Agrospritindustrie. Ein Gastbeitrag von der führenden indischen Ökonomin Jayati Ghosh.

In dem Beitrag „Peak Soil: Soil Destruction and the Food Crisis“ in der Ausgabe Nr. 38/39 von „local land & soil news“ (2011) geht es um die globale Bodendegradation und deren mögliche Umkehr. Der Begriff „Peak Soil“ ist eine semantische Ableitung von „Peak Oil“, aber zwischen diesen beiden Begriffen besteht ein wesentlicher Unterschied: Während es unmöglich ist, fossile Energie zu „erneuern“ (außer in geologischen Zeiträumen), ist es möglich, viele degradierte Böden innerhalb eines menschlichen Zeithorizonts zu restaurieren, vorausgesetzt der politische Wille existiert und es würden die entsprechenden Kenntnisse angewendet und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Mit ihrem Appell ‚Save Food‘ greift die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO einen Skandal von gewaltigem Ausmaß auf: Etwa ein Drittel der Nahrung, die für den menschlichen Verbrauch erzeugt wird, geht weltweit verloren. Ihre Lösungsvorschläge beschränken sich allerdings weitgehend auf Kosmetik – den Hungernden helfen sie kaum.

»Peak Soil – die unterschätzte Krise des Bodens« lautet der Titel eines im Vorjahr erschienenen Hefts der Zeitschrift Politische Ökologie. Dort wird das Thema von W.E.H. Blum wie folgt umrissen: »Was sich derzeit in den Böden Europas abspielt, gilt im wesentlichen auch und zum Teil in noch stärkerem Maße für weitere Länder der Nordhalbkugel, vor allem aber für Afrika, Südamerika und Südostasien, wo Erosion, Verdichtung, Verlust an organischer Substanz sowie Biodiversität, Kontamination, Versalzung und insbesondere Erdrutsche ein alarmierendes Ausmaß erreicht haben.« Mit diesem oftmals vergessenen Aspekt von „Peak Soil“ befasst sich der folgende Beitrag.

»Peak Soil« lautet der Titel des 2009 erschienenen Buches von Thomas Fritz, der ersten umfassenderen Übersicht zum Thema »Land Grabbing« (Landnahme) in deutscher Sprache. Im folgenden noch ein Update zu diesem nach wie vor aktuellen Thema, das momentan zwischen Fukushima, Libyen und Landtagswahlen unterzugehen scheint.

Während Nahrungsmittelpreise auf Rekordhöhe zum Aufstand in Nordafrika und in anderen Regionen beigetragen haben, hat das unerschütterliche Vertrauen der Weltbank in die Märkte eine Diskussion ausgelöst, wie die vielfältigen Ursachen, die der globalen Krise der Nahrungspreise zugrunde liegen, am Besten angegangen werden sollten. Ein Gastbeitrag auf globe-spotting.de von Ama Marston (Bretton Woods Project)

Wird 2011 ein neues Hungerjahr? Die Preisexplosion der letzten Monate und andere Faktoren legen dies nahe. Noch bleibt der Reispreis stabil, sind die Vorräte höher als 2008 und möglicherweise haben die Regierungen tatsächlich aus der letzten Katastrophe gelernt.

Freuen Sie sich über steigende Preise? Wer auf höhere Nahrungsmittelpreise spekuliert, dem winken dicke Gewinnchancen, verspricht die Deutsche Bank als die Nahrungsmittelkrise vor zwei Jahren 100 Millionen Menschen in den Hunger treibt.

Dem Weltklimarat (IPCC) zufolge wird Mexiko bis zum Jahr 2050 zwischen 13 und 27 Prozent seiner landwirtschaftlicher Nutzfläche verlieren. In den nächsten Jahrzehnten wird mit einer kumulativen Erhöhung der Migration aufgrund klimabedingter Ernteausfälle um sechs bis sieben Millionen Menschen gerechnet, zusätzlich zu der ohnehin seit Jahren stattfindenden Auswanderung aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Misere – so die Einschätzung einer Studie der Princeton Universität (USA). Doch während die mexikanische Regierung mit rhetorischem Umwelt- und Klimaschutz dagegen hält, sind dort Menschen, die sich für diese Ziele tatsächlich einsetzen, Repressionen ausgesetzt.