Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Beim Nyéléni-Forum, das Mitte August in Österreich stattfand, wurde eine europäische Bewegung für Ernährungssouveränität angestoßen, berichtet Berit Thomsen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in ihrem Gastbeitrag.

Anläßlich des Welternährungsgipfels, der in der Woche vom 11. Oktober 2010 in Rom tagte, wurde der aktuelle Welthungerindex vorgestellt. Dem zufolge leidet derzeit zirka eine Milliarde Menschen an Hunger und Unterernährung. Die Mitverantwortung der internationalen Saatgutkonzerne an der Permanenz der globalen Hungerkrise und mögliche Alternativen dazu sind Gegenstand eines zweiteiligen Beitrags, der am 14. und 15. Oktober 2010 in der Tageszeitung „junge Welt“ erschien.

Teil I

Teil II

Kubas Landwirtschaft befindet sich in einer wichtigen Phase. Es existieren günstige Voraussetzungen, um mittelfristig Ernährungssouveränität zu erreichen und es besteht der politische Wille, die ehemals industriell geprägte Landwirtschaft Kubas in eine solche zu transformieren, die von hoch produktiven, nachhaltig wirtschaftenden bäuerlichen Betrieben bestimmt wird. Aber der bewunderten »Revolution der Nachhaltigkeit« droht Gefahr aus der eigenen gentechnischen Ecke. Seit kurzem ist die Diskussion um dieses Thema entbrannt.

Seit einigen Jahren versuchen Agrokonzerne wie Monsanto, sich mit der Conservation Agriculture, bei der auf mechanische Bodenbearbeitung weitgehend verzichtet wird, ein grünes Image zu geben. Dabei werden sie tatkräftig unterstützt durch scheinbar neutrale Instanzen wie die UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation FAO. Besonders attraktiv an der „erhaltenden Landwirtschaft“: Sie könnte sich für die Agrarindustrie als zusätzlicher Profittriebsatz erweisen und Gensoja zum Klimaretter stilisieren.

Kuba: Ausweitung der Nutzfläche, Fokussierung auf Familienbetriebe, ökologischen Anbau und urbane Gemüseproduktion.
Während von progressiven Agrarwissenschaftlern die kubanische Landwirtschaft als erfolgreiches nationales Experiment gepriesen wird, veröffentlichte Dennis Avery im April 2009 einen Artikel mit dem Titel „Cubans Starve on a Diet of Lies“ (Die Kubaner verhungern an einer Nahrung aus Lügen). Eine Gruppe von Autoren unter Federführung des kubanischen Agrarökologen Fernando Funes hat sich die Mühe gemacht haben, die von Avery in die Welt gesetzten Fehlinformationen zu zerpflücken.

Humberto Ríos Labrada, ein Agrarwissenschaftler aus Kuba, hat den mit 150.000 Dollar dotierten Goldmann Umweltpreis gewonnen. Geehrt wird er für seine Verdienste um die landwirtschaftliche Vielfalt und die Unabhängigkeit der Kleinbauern auf der Zuckerrohr-Insel. Dass vieler seiner Lieder eindeutig nur für Erwachsene sind, hat vielleicht mehr mit  Labrada’s Mission zu tun als man auf den ersten Blick annehmen mag.  Sex ist schließlich die Grundlage aller Vielfalt.

Die Landwirtschaft in China hat unübersehbare Probleme: Boden und Wasser werden durch Agrargifte und Dünger geschädigt und durch Urbanisierung und Erosion knapp. Der Sojaanbau leidet unter Billigimporten. Die Kluft zwischen Stadt und Land wächst. Lebensmittelskandale empören die Bevölkerung. Diese Gefährdung der Ernährungssicherheit und mögliche Lösungen wurden Mitte März bei einem internationalen Workshop in Beijings Renmin-Universität diskutiert. Ein Bericht für das EU-China Civil Society Forum.

Weniger Wasser, geringere Kosten, und dennoch hohe Erträge – das sind einige der Vorteile, die ein alternatives Konzept für den Reisanbau (System of Rice Intensification) verspricht. Auch in China stößt es als möglicher Beitrag zur Ernährungssicherheit zunehmend auf Interesse. Norman Uphoff, ein führender Verfechter des Konzepts, hofft auf den Durchbruch für die umweltverträgliche, besonders für kleinbäuerliche Betriebe geeignete Methode.

Grün und europäisch, irgendwie dynamisch brav, so kommt das neue Biosiegel der EU daher, das ab 1. Juli alle Bioerzeugnisse schmücken soll. Designerisch ist es gegenüber dem alten logo fraglos ein Fortschritt; auch wenn es inhaltlich (wie auch das deutsche Biosiegel) das  Zeichen für den niedrigsten verfügbaren Biostandard nach der EU-Öko-Verordnung bleibt. Pünktlich zur morgigen Eröffnung der Biofach in Nürnberg ist das neue logo, das von einem Düsseldorfer Desingstudenten entworfen wurde, jetzt fertig.

Schon mal einen interkulturellen Garten gesehen? Allein in Berlin gibt es mittlerweile 20 davon, deutschlandweit wird das Netzwerk interkultureller Gärten demnächst sein 100. Mitglied begrüssen. In einem Satz gesagt bewirtschaften hier Mitglieder unterschiedlicher Kulturen gemeinsam einen Garten und kommen sich so praktisch und vielfältig näher, mehren ihren materiellen wie kulturellen Wohlstand und ihre Genüsse, erweitern den gärtnerischen wie geistigen Horizont und sind darauf dann gemeinsam stolz. Die Stiftung Interkultur fördert deren Aufbau und Vernetzung, sorgt auch dafür, dass solches Treiben jenseits der Gärten schon mal “kosmopolitan und transkulturell” genannt wird und hat für alle, die sich dem erdigen Subjekt erst mal virtuell nähern wollen, eine tolle Webseite gebaut.