Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Direkt unter unseren Füßen spielt sich eine stille Katastrophe ab: Schätzungen zufolge sind weltweit 25 Prozent des Bodens von Degradation betroffen. Trotz dieser ernüchternden Statistik gäbe es bei entsprechendem politischem Willen keinen Grund zur Weltuntergangsstimmung. In einem Bericht an die UN-Vollversammlung vom Dezember 2010 beschreibt Olivier de Schutter, dass die Kleinbauern des Südens auf umweltverträgliche Weise ihre Nahrungsmittelproduktion in von zehn Jahren verdoppeln könnten. Das schließt Maßnahmen zur Bodenverbesserung ein, deren Dringlichkeit nicht überbetont werden kann.

»Peak Soil« lautet der Titel des 2009 erschienenen Buches von Thomas Fritz, der ersten umfassenderen Übersicht zum Thema »Land Grabbing« (Landnahme) in deutscher Sprache. Im folgenden noch ein Update zu diesem nach wie vor aktuellen Thema, das momentan zwischen Fukushima, Libyen und Landtagswahlen unterzugehen scheint.

Seit dem globe-spotting-Literaturüberblick vom September 2010 gab es eine Reihe interessanter neuer Publikationen und Diskussionen zum Thema Land grab – ein Update:

Anläßlich des Welternährungsgipfels, der in der Woche vom 11. Oktober 2010 in Rom tagte, wurde der aktuelle Welthungerindex vorgestellt. Dem zufolge leidet derzeit zirka eine Milliarde Menschen an Hunger und Unterernährung. Die Mitverantwortung der internationalen Saatgutkonzerne an der Permanenz der globalen Hungerkrise und mögliche Alternativen dazu sind Gegenstand eines zweiteiligen Beitrags, der am 14. und 15. Oktober 2010 in der Tageszeitung „junge Welt“ erschien.

Teil I

Teil II

Das globe-spotting-SPECIAL zu Land grabbing bringt Informationen über Veranstaltungen und neue Entwicklungen, Texte und Diskussionsbeiträge, Hinweise auf Publikationen und auf Organisationen, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Die Veröffentlichungen über Land grabbing, also über die Verpachtung oder den Verkauf von großen Ländereien an Investoren und Spekulanten, sind inzwischen so unübersichtlich geworden wie die Landnahmeverträge und -vereinbarungen selbst – ein Versuch, sie ein wenig zu sortieren.

Wegen des steigenden Verbrauchs von Agrarkraftstoffen und Kraftfutter wird weltweit immer mehr Weideland zu Ackerflächen umgebrochen. Das ist fatal für das Klima ebenso wie für bisherige Nutzer wie tierhaltende Kleinbauern und Hirtenvölker. Ein Briefing-Papier von Susanne Gura

„Die lokale Bevölkerung in vielen Ländern des Südens befindet sich nunmehr in der Zange zwischen Naturschutzgebieten, Baum- und Energiepflanzenplantagen sowie großflächig aufgekauften Ländereien, die von Investoren mit industriemäßigen Methoden bewirtschaftet werden. Mit anderen Worten, für Wanderfeldbauer, Hirten und Waldbewohner ist kein Platz mehr in der schönen neuen Welt.“ – Das ist das Fazit des Beitrages.

Kürzlich hatte ich Gelegenheit, ausführlich mit Oliver Willing zu sprechen. Er ist Geschäftsführer der Zukunftsstiftung Landwirtschaft der GLS Treuhand. Dabei versuchten wir, den Unterschied zwischen einem Verständnis von Saatgut als Ware vs. Saatgut als Gemeingut zu fassen. Denn derzeit wird …

„Saatgut zunehmend als reines Wirtschaftsgut betrachtet und damit zum Rohstoff der Biotechnologie und der Börse.“

Dabei ist Saatgut die Software des Lebens. Saatgut birgt den Code unserer Lebensmittel, der (wie digitaler Code) gepflegt und weiterentwickelt werden muss.

Ja, zu viel Handel macht Hunger! Also ein Handel, der nicht den Schutz der kleinbäuerlichen Grundnahrungsmittelproduktion und den Aufbau einer verarbeitenden Lebensmittelindustrie erlaubt.  Das Handelsunternehmen Töpfer International sieht das anders. „Nein, im Gegenteil!“ Der Reismarkt in der ersten Jahreshälfte 2008 sei ein Paradebeispiel dafür, wie zu wenig Handel Hunger verursache. So ging es hin und her im Streitgespräch über Welternährung und die Rolle des Agrarhandels bei der Bekämpfung des Hungers mit Klaus-Dieter Schumacher von Töpfer-International.