Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Das Buch „Agrar-Kolonialismus in Afrika. Eine andere Landwirtschaft ist möglich“ von Uwe Hoering, erschienen 2007 im VSA-Verlag, Hamburg, ist jetzt als pdf-Datei (0,9 MB) erhältlich.

Die Regierung in Addis Abeba will im Westen des Landes 245.000 Hektar Zuckerrohrplantagen anlegen und Äthiopien zu einem führenden Zuckerexporteur machen. Das riesige Bewässerungsprojekt im unteren Omo-Tal würde die Lebensbedingungen von bis zu 500.000 Menschen in dieser Grenzregion mit Kenia bedrohen und schwerwiegende ökologische Auswirkungen haben.

Keine drei Jahre, nachdem GRAIN mit seinem Bericht „Land grab!“ auf das Thema aufmerksam gemacht hat, ist die großflächige kommerzielle Landnahme fest in der politischen Diskussion verankert. Immer neue Fälle werden bekannt, immer weitere Aspekte aufgerollt. Auch der Widerstand gegen einzelne Vorhaben und die Strategien, wie Politik, Bauernorganisationen und Zivilgesellschaft auf die Risiken und Gefahren antworten können, entwickeln sich. Insgesamt werden die Lage, die Themen und die Diskussion immer vielfältiger, aber auch unübersichtlicher. Deshalb ein weiteres globe-spotting-Update

Satellitenbilder zeigen, dass der Sahel, der in den 1970er Jahren zum Synonym für Dürre, Hunger und vorrückende Wüsten wurde, seit zwei Jahrzehnten wieder grüner wird. Das ging einher mit höheren Niederschlägen. Soweit die erfreuliche Nachricht für die Savannenlandschaft am südlichen Rand der Sahara. „Aber unten on the ground reden alle von Desertifikation“, stöhnt Thomas Hickler vom Forschungszentrum Biodiversität und Klima an der Universität Frankfurt. „Ich verstehe das nicht.“

Anfang September wird in Ghanas Hauptstadt Accra enthüllt werden, wie nicht nur der Hunger in Afrika, sondern die Ernährungskrise überhaupt beendet werden soll: Mit der „Brotkorb-Strategie“ will die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA) einen Durchbruch bei der landwirtschaftlichen Produktion bringen. Afrikas Kleinbauern werden danach nicht nur den Kontinent ernähren, sondern auch noch Reis exportieren können. Ein Kommentar von Uwe Hoering

Die globale Landnahme setzt sich ungebremst fort. Wie einem IIED-Briefing Paper zu entnehmen ist, sind es vor allem private Investoren, die als Akteure in Erscheinung treten. Inzwischen wird deutlich, dass „freiwillige Verpflichtungen“ für Landkäufe nicht greifen. Das wird von einem noch unveröffentlichten Weltbankbericht und den Erfahrungen bestätigt, die mit der seit acht Jahren nicht funktionierenden »Extractive Industry Transparency Initiative« gesammelt wurden. Trotzdem setzt die Weltbank auf eine »Land Transparancy Initiative«. Das einzige, was derzeit helfen könnte, wäre ein globales Moratorium.

Schwarz ist die Farbe des Erdöls. Das treibt die Wirtschaft an. Weil das globale Ölfördermaximum naht sollen Treibstoff, Strom und anderes Material im Wortsinn aus der Erde wachsen. Doch jede gute Idee kann kontraproduktiv werden, wenn sie verabsolutiert wird. Denn da gibt es noch die Nahrungsmittelkrise, sie wird vermutlich verschärft durch den neuen Kampf um das ursprünglichste aller Gemeingüter: Grund und Boden. Wenn es um Wachstumsfragen geht, habe ich diese Dinge im Kopf. Auf  einer Veranstaltung zu solchen Fragen erlebte ich jüngst einen bemerkenswerten Schlagabtausch. A: „Nachhaltiges Wachstum kann es nicht geben.“ -B: „Aber wir brauchen Wachstum, wir brauchen eine 3. industrielle Revolution.“ – A: „Wie soll sie aussehen?“ – B: „Wir verbrennen Biomasse statt Öl und bauen die Infrastruktur, um die so gewonnene Energie zu importieren.“ – A: „Habe ich Sie richtig verstanden? Läuft der Green New Deal, den sie vorschlagen, auf eine braune Akkumulation hinaus?“  Braun ist die Farbe der Erde. Zwischenrufe und Empörung im Saal …  hier geht’s weiter.

„Die lokale Bevölkerung in vielen Ländern des Südens befindet sich nunmehr in der Zange zwischen Naturschutzgebieten, Baum- und Energiepflanzenplantagen sowie großflächig aufgekauften Ländereien, die von Investoren mit industriemäßigen Methoden bewirtschaftet werden. Mit anderen Worten, für Wanderfeldbauer, Hirten und Waldbewohner ist kein Platz mehr in der schönen neuen Welt.“ – Das ist das Fazit des Beitrages.

Statt mit Waffengewalt sichern sich heute reiche Länder und multinationale Konzerne mit dem nötigen Kleingeld üppige Ländereien in armen und korruptionsgebeutelten Staaten. Anders als behauptet ist die neue Umverteilung von Boden keine Win-win-Situation. Die aktuelle Situation schreit nach einem globalen Moratorium für Landtransaktionen, zumindest bis dafür bestimmte Minimalprinzipien sanktionierbar implementiert wären – eine Forderung, die ähnlich geringe Chancen auf Durchsetzung hat, wie solche Minimalprinzipien selbst. Lokaler Basiswiderstand scheint derzeit die einzige Alternative.

Äthiopien ist ein besonders augenfälliges Beispiel für die Problematik der Land­nahme durch ausländische Investoren, die seit drei, vier Jahren unter anderem in Afrika verstärkt stattfindet. Die Regierung fördert diesen Prozess intensiv und wird dabei von Gebern wie der Weltbank mit einer exportorientierten Entwicklungsstra­tegie massiv unterstützt.