Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Mit ihrem Appell ‚Save Food‘ greift die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO einen Skandal von gewaltigem Ausmaß auf: Etwa ein Drittel der Nahrung, die für den menschlichen Verbrauch erzeugt wird, geht weltweit verloren. Ihre Lösungsvorschläge beschränken sich allerdings weitgehend auf Kosmetik – den Hungernden helfen sie kaum.

Keine drei Jahre, nachdem GRAIN mit seinem Bericht „Land grab!“ auf das Thema aufmerksam gemacht hat, ist die großflächige kommerzielle Landnahme fest in der politischen Diskussion verankert. Immer neue Fälle werden bekannt, immer weitere Aspekte aufgerollt. Auch der Widerstand gegen einzelne Vorhaben und die Strategien, wie Politik, Bauernorganisationen und Zivilgesellschaft auf die Risiken und Gefahren antworten können, entwickeln sich. Insgesamt werden die Lage, die Themen und die Diskussion immer vielfältiger, aber auch unübersichtlicher. Deshalb ein weiteres globe-spotting-Update

Während Nahrungsmittelpreise auf Rekordhöhe zum Aufstand in Nordafrika und in anderen Regionen beigetragen haben, hat das unerschütterliche Vertrauen der Weltbank in die Märkte eine Diskussion ausgelöst, wie die vielfältigen Ursachen, die der globalen Krise der Nahrungspreise zugrunde liegen, am Besten angegangen werden sollten. Ein Gastbeitrag auf globe-spotting.de von Ama Marston (Bretton Woods Project)

Die Novelle “Wie viel Erde braucht der Mensch?” des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi ist eine Parabel über menschliche Gier: Bauer Pachom vereinbart mit Landbesitzern in Baschkirien, dass er so viel Land erhält, wie er an einem Tag umrunden kann. In seiner Gier schlägt er seinen Kreis immer weiter und größer. Als er am Abend an den Ausgangspunkt zurück kommt, bricht er erschöpft zusammen und stirbt. So braucht er am Ende nur zwei Quadratmeter Land für sein Grab. Heute heißen die Pachoms Daewoo, Sun Biofuels, Al-Quadra Holding oder Cru Investment Management.

Britische Forscher melden einen „Durchbruch“ beim Schutz von Tieren gegen Virusinfektionen. In der Wissenschaftszeitschrift Science berichten sie darüber, dass Hühner genetisch so verändert wurden, dass die Übertragung der Vogelgrippe sowohl von Tier zu Tier als auch von Tier zu Mensch unterbunden werde. Davon versprechen sie sich nicht nur wirtschaftliche Vorteile für die Industrie, sondern auch eine größere Akzeptanz für die Anwendung von Gentechnologie bei der Produktion von Nahrungsmitteln. Ein Kommentar von Uwe Hoering

Trotz seines Aufstiegs zur globalen Wirtschaftsmacht ist China nach wie vor auch noch ein Agrarland. Dank einer erfolgreichen landwirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen drei Jahrzehnten kann das Land seine inzwischen 1,3 Milliarden Einwohner weitgehend selbst ernähren, gleichzeitig steigen die Agrarexporte und das Auslandsengagement chinesischer Agrarunternehmen. Diese unbekannte Seite von Chinas Entwicklung und ihre Probleme und Auswirkungen behandelt die neue Broschüre „Landwirtschaft in China: Zwischen Selbstversorgung und Weltmarktintegration“.

Satellitenbilder zeigen, dass der Sahel, der in den 1970er Jahren zum Synonym für Dürre, Hunger und vorrückende Wüsten wurde, seit zwei Jahrzehnten wieder grüner wird. Das ging einher mit höheren Niederschlägen. Soweit die erfreuliche Nachricht für die Savannenlandschaft am südlichen Rand der Sahara. „Aber unten on the ground reden alle von Desertifikation“, stöhnt Thomas Hickler vom Forschungszentrum Biodiversität und Klima an der Universität Frankfurt. „Ich verstehe das nicht.“

Die aktuellen Auseinandersetzungen um die Einführung gentechnisch veränderter Auberginen (Bt-brinjal) haben ihren Vorläufer in der Kampagne gegen die Einführung von Bt-Baumwolle durch den US-amerikanischen Konzern Monsanto Ende der 1990er Jahre, die gleichzeitig eine wichtige Mobilisierung gegen neoliberal inspirierte Modernisierungsstrategien im Agrarbereich war. Ihre Massenbasis hatte sie durch Karnataka Raiya Ryota Sangh, KRSS, eine der sogenannten „neuen Bauernbewegungen“.

Seit dem globe-spotting-Literaturüberblick vom September 2010 gab es eine Reihe interessanter neuer Publikationen und Diskussionen zum Thema Land grab – ein Update:

Das globe-spotting-SPECIAL zu Land grabbing bringt Informationen über Veranstaltungen und neue Entwicklungen, Texte und Diskussionsbeiträge, Hinweise auf Publikationen und auf Organisationen, die sich mit dem Thema beschäftigen.