Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Die Jahrestagung der Gentechnik-Lobbyorganisation InnoPlanta e.V. am 4. September 2012 in Gatersleben beklagte die „Über- bzw. Missregulation“ bei der Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa und erging sich in Spekulationen über „Sabotageakte“ bei der erhofften Einführung des „Golden Rice“ im Jahr 2014 in Ländern Südostasiens. Zugleich wurde auf der Tagung unverblümt deutlich, was Gentechnik-GegnerInnen bereits seit 2005 klar ist: Der „Golden Rice“ dient als Rammbock gegen die Sicherheitregularien für Gentechnikpflanzen generell. Aber auch sonst vermittelte der Besuch dieser Veranstaltung interessante Einsichten.

Im Jahr 2001 zwangen Geberländer und Internationaler Währungsfonds Malawi, das Subventionsprogramm für Saatgut und mineralischen Dünger drastisch zurückzufahren und die strategische Getreidereserve zu verkaufen. Verschärft durch erratische Regenfällen führte das im Jahr 2002 zu einer Hungerkatastrophe, die sich im Jahr 2005 wiederholte. Als die malawische Regierung internationalen Ratschlägen zum Trotz die subventionierten Startpakete wieder einführte, verdoppelte sich die Maisernte in Jahresfrist. Doch wie nachhaltig ist diese „kleine grüne Revolution“ und was wären die Alternativen?

Das Buch “Bodenrausch” von Wilfried Bommert erfüllt die Erwartungen des Rezensenten nicht. Die Ursachen des Landgrabbing werden korrekt benannt, aber die Bedienung von Klischees und die simplifizierte Darstellung bestimmter Phänomen ist ärgerlich. Das Buch schließt mit einem Aufruf an die Zivilgesellschaft, die Welternährungskrise dadurch zu lösen, dass „die Politik“ dazu gebracht wird, „Grenzen zu setzen und Schranken aufzubauen“. Radikale Veränderungen, nämlich die Politik selbst in die Hand zu nehmen, sind für Bommert offenbar keine angemessene Antwort auf die Krise.

Greenwashing – die Schaffung eines »grünen« Images für Unternehmen – ist in dem Maße, in dem der Neoliberalismus bis in die letzten Winkel unseres Planeten vordringt, immer stärker zum Handlungsfeld der großen Naturschutzorganisationen geworden. Ihre Kohabitation mit McDonalds, Nestlé, diversen Ölkonzernen und dem agroindustriellen Komplex wird gebetsmühlenartig damit begründet, dass man miteinander im Gespräch bleiben müsse, um etwas zu verändern. Der »World Wide Fund for Nature« spricht besonders gern mit Unternehmen des Agrobusiness.

Vor kurzem begrüßte der zuständige UN-Sonderberichterstatter, dass Mexiko dem Recht auf Nahrung Verfassungsrang eingeräumt hat. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die verfassungsmäßige Anerkennung dieses Rechts nicht nur eine weitere Inszenierung im Rahmen von Mexikos simulierter Demokratie darstellt, ähnlich wie bei anderen völkerrechtlichen Abkommen. In einer kürzlich veröffentlichten Analyse wurde das nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) als wesentlicher Grund für den in Mexiko herrschenden Hunger identifiziert: Ende 2010 lebten 20 Millionen Einwohner Mexikos in „Ernährungsarmut“, einem Zustand, bei dem die betroffenen Personen sich nicht leisten können, eine ausreichende Menge an Grundnahrungsmitteln zu kaufen.

Es wird die Argumentation der Weltbank analysiert, dass mit freiwilligen Richtlinien und “klar definierten Landrechten” das Land Grabbing in den Ländern des Südens von einer Bedrohung in eine Entwicklungschance konvertiert werden könne. Mexiko dient der Weltbank dafür als wichtiger Beispiel. Im Gegensatz dazu kommt die vorliegende Analyse zu der Schlussfolgerung, dass sich die realen Verhältnisse in Mexiko von dem „papiernen“ Mexiko, wie es in den Dokumenten der Weltbank zu finden ist, sehr stark unterscheiden. Wenn Mexiko eines der wichtigen positiven Beispiele ist, dieses aber erhebliche Mängel aufweist, dann wird damit das gesamte Konzept freiwilliger Selbstverpflichtungen als Lösungsansatz für die sozialen und ökologischen Folgen des Land Grabbing in Frage gestellt.

In dem Beitrag „Peak Soil: Soil Destruction and the Food Crisis“ in der Ausgabe Nr. 38/39 von „local land & soil news“ (2011) geht es um die globale Bodendegradation und deren mögliche Umkehr. Der Begriff „Peak Soil“ ist eine semantische Ableitung von „Peak Oil“, aber zwischen diesen beiden Begriffen besteht ein wesentlicher Unterschied: Während es unmöglich ist, fossile Energie zu „erneuern“ (außer in geologischen Zeiträumen), ist es möglich, viele degradierte Böden innerhalb eines menschlichen Zeithorizonts zu restaurieren, vorausgesetzt der politische Wille existiert und es würden die entsprechenden Kenntnisse angewendet und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Direkt unter unseren Füßen spielt sich eine stille Katastrophe ab: Schätzungen zufolge sind weltweit 25 Prozent des Bodens von Degradation betroffen. Trotz dieser ernüchternden Statistik gäbe es bei entsprechendem politischem Willen keinen Grund zur Weltuntergangsstimmung. In einem Bericht an die UN-Vollversammlung vom Dezember 2010 beschreibt Olivier de Schutter, dass die Kleinbauern des Südens auf umweltverträgliche Weise ihre Nahrungsmittelproduktion in von zehn Jahren verdoppeln könnten. Das schließt Maßnahmen zur Bodenverbesserung ein, deren Dringlichkeit nicht überbetont werden kann.

»Peak Soil – die unterschätzte Krise des Bodens« lautet der Titel eines im Vorjahr erschienenen Hefts der Zeitschrift Politische Ökologie. Dort wird das Thema von W.E.H. Blum wie folgt umrissen: »Was sich derzeit in den Böden Europas abspielt, gilt im wesentlichen auch und zum Teil in noch stärkerem Maße für weitere Länder der Nordhalbkugel, vor allem aber für Afrika, Südamerika und Südostasien, wo Erosion, Verdichtung, Verlust an organischer Substanz sowie Biodiversität, Kontamination, Versalzung und insbesondere Erdrutsche ein alarmierendes Ausmaß erreicht haben.« Mit diesem oftmals vergessenen Aspekt von „Peak Soil“ befasst sich der folgende Beitrag.

»Peak Soil« lautet der Titel des 2009 erschienenen Buches von Thomas Fritz, der ersten umfassenderen Übersicht zum Thema »Land Grabbing« (Landnahme) in deutscher Sprache. Im folgenden noch ein Update zu diesem nach wie vor aktuellen Thema, das momentan zwischen Fukushima, Libyen und Landtagswahlen unterzugehen scheint.