Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Eine aktuelle Recherche des Pestizid Aktions-Netzwerks (PAN Germany) deckt eine wichtige Lücke bei der Risikobewertung von Glyphosat durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auf. Demnach gibt es derzeit mindestens zehn Studien, die zeigen, dass Glyphosat in Zellen sogenannten „oxidativen Stress“ auslöst, der auch zur Krebsentstehung führen kann. Diesen Wirkungsmechanismus hat das BfR jedoch außer Acht gelassen. Dieses Versäumnis könnte ein Grund dafür sein, dass das BfR, anders als ein internationales Gremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO), zu dem Schluss kommt, dass Glyphosat nicht krebserregend ist.

Zirkulierende Migration, die Rückkehrmöglichkeit zu ihren im ländlichen Bereich gebliebenen Familien, bei Jobverlust oder steigenden Lebenshaltungskosten im urbanen Bereich, ist eine wichtige Überlebensstrategie in Afrika. Doch es besteht die begründete Sorge, dass diese Möglichkeit der Risikominderung mehr und mehr verschwinden wird, nämlich in dem Maße, in dem Agrarkonzerne und die für sie arbeitenden Institutionen die „Hungerbekämpfung“ übernehmen. Der Beitrag befasst sich mit Migration, Urbanisierung und der Landfrage – dem laut T.S. Jayne et al. (2014) „am stärksten vernachlässigten entwicklungspolitischen Thema“ in Afrika.

Historisch betrachtet erstreckte sich die Grüne Revolution über die Zeit von 1940 bis 1970, auch wenn die Prozesse der kapitalistischen Akkumulation, Enteignung, Investition und Innovation in der Landwirtschaft – die erst zwei Jahre vor ihrem offiziellen Ende „Grüne Revolution“ genannt wurden – bereits früher stattfanden und sich weit über 1970 fortsetzten. Ähnlich wie bei der alten Grünen Revolution kam es auch bei der neuen zu einer verspäteten Namensgebung. Der Prozess der Finanzialisierung der Landwirtschaft war längst im Gang, als im Jahr 1997 die ersten Rufe nach einer neuen Grünen Revolution laut wurden, insbesondere in einem Buch von Gordon Conway, das kurz vor dessen Ernennung zum Präsidenten der Rockefeller-Stiftung erschien. Raj Patel wirft einen Blick auf die historische Entwicklung dieses von Mythen behaftete Phänomen.

Nicht selten ruft die Frage, ob und unter welchen Bedingungen die wachsende Weltbevölkerung ausreichend ernährt werden kann, Ratlosigkeit und Unbehagen hervor. Eine negative Antwort würde den Hungertod Hunderter Millionen Menschen mit kaum vorstellbaren gesellschaftlichen Folgen bedeuten. Schließlich sind schon heute zirka 850 Millionen Menschen unterernährt, was bedeutet, dass alljährlich etwa 10 Millionen Menschen an Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen sterben. Die Frage, was getan werden müsste, um bei gleichzeitig wachsender Weltbevölkerung von diesem Genozid wegzukommen, wird sehr unterschiedlich beantwortet.

Energie ist eine wichtige Ressource für die menschliche Zivilisation, und Stickstoff stellt einen unentbehrlichen Pflanzennährstoff dar. Doch mit dem synthetischen Dünger verhält es sich ähnlich wie mit der Atomkraft – beide sind entbehrlich. Und es gibt eine weitere Parallele zur Atomenergie: Beim Stickstoff gibt es eine ähnlich dramatische Umweltbelastung, die jedoch im öffentlichen Bewusstsein deutlich weniger präsent ist. Stickstoff (und Phosphat) sind zwar nicht so gefährlich wie Brennstäbe aus Atomkraftwerken, aber sie werden auch nicht zwischen- oder endgelagert, sondern entweichen in großem Umfang völlig unkontrolliert in die Umwelt.

In Mexiko werden pro Hektar 16mal so viele Insektizide versprüht wie in Deutschland. Das Pesticide Action Network (PAN) veröffentlicht in regelmäßigen Abständen eine globale Liste hochgefährlicher Pestizide und fordert, diese aus dem Verkehr zu ziehen. Die Einstufung als »hochgefährlich« basiert auf den offiziellen Einschätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und anderer Institutionen. Bayer Cropscience und BASF beherrschen rund 30 Prozent des globalen Pestizidmarktes und haben Niederlassungen in Mexiko. Dort vertreiben sie 80 Pflanzenschutzmittel, die in die Kategorie »hochgefährlich« fallen. Fünf von ihnen sind in der EU verboten. Es stellt sich die Frage, warum solche Mittel in Ländern wie Mexiko zur Anwendung kommen, obwohl die dortigen Bedingungen für den Schutz von Mensch und der Umwelt schlechter sind als in Europa.

Zivilgericht stoppte Genmaisanbau. Agrarmultis laufen Sturm gegen das Urteil. Wissenschaftler starten internationale Kampagne zur Verhinderung von Agrogentechnik.

Seit Mitte der 1990er Jahre bemühen sich die Gentechnikkonzerne, in Mexiko Fuß zu fassen. Bei Baumwolle und Soja ist es ihnen bereits gelungen. Beim gentechnisch veränderten Mais schien Ende 2011 die letzte Hürde gefallen zu sein, aber inzwischen gibt es wieder Hoffnung.

Die industrielle Landwirtschaft ist an den Verbrauch fossiler Brennstoffe gekoppelt. Kleinbauern produzieren energieeffizienter als Großbetriebe. Im Extremfall ergibt sich ein Unterschied um bis zum Hundertfachen zwischen den beiden Anbausystemen, d.h. in der industriellen Landwirtschaft werden bis zu zehn Kilokalorien und mehr aufgewendet, um eine Kilokalorie Nahrung zu erzeugen. In der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, bei der auf den Einsatz von Agrochemikalien und schwerer Technik verzichtet wird und wo durch agrarökologische Methoden trotzdem gute Erträge gesichert werden, können aus einer Kilokalorie extern zugeführter Energie bis zu zehn Kilokalorien Nahrung entstehen. Insofern ist die von internationalen Institutionen und westlichen Regierungen forcierte Umstellung der kleinbäuerlichen Produktion in den Ländern des Südens auf eine inputintensive Landwirtschaft in hohem Maße unverantwortlich, denn die Folgen bei Erschöpfung der Erdölvorräte sind absehbar.

Bei Mastfabriken gibt es eine Besonderheit, die sie von anderen Investitionen unterscheidet: In kaum einer anderen Branche dürfte der lokale Widerstand gegen Direktinvestitionen so häufig anzutreffen sein wie hier. Die mit dem Angebot der „Schaffung von Arbeitsplätzen“ Beglückten erkennen sehr bald und oftmals rechtzeitig bevor es überhaupt zur Investition kommt, dass mit den wenigen entstehenden Arbeitsplätzen erhebliche Probleme für Umwelt und Gesundheit verbunden sind. Es überrascht dann kaum, dass sich die „Schaffung von Arbeitsplätzen“ zudem als Mogelpackung entpuppt. Wir werfen einen Blick auf Schweinemastanlagen in Ostdeutschland, Polen und Litauen.

Industrielle Schweinmastanlagen zerstören die Umwelt, rufen gesundheitliche Schäden hervor, verunreinigen das Grundwasser sowie Oberflächengewässer. All das bekommen auch die BewohnerInnen des Perote-Tals im mexikanischen Bundesstaat Veracruz zu spüren. Doch es bedurfte erst des Ausbruchs der vom H1N1-Virus hervorgerufenen Schweinegrippe im Jahr 2009, um die dortigen Verhältnisse ins Rampenlicht der internationalen Öffentlichkeit zu rücken. Der Ursprung dieser zeitweise von der Weltgesundheitsorganisation als globale Epidemie (Pandemie) eingestuften Grippewelle ließ sich in den Ort La Gloria zurückverfolgen. Seit September gehören die Mastfabriken des Perote-Tals dem chinesischen Konzern Shuanghui.