Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Der Freistaat wollte nicht: Bis zum Anschlag hatte die bayrische Staatsregierung die von der Europäischen Union vorgeschriebene Veröffentlichung der Agrarsubventionen und ihrer Empfänger für ihren Einzugsbereich verweigert. “Datenschutz” und “Neiddebatte” waren ihre Argumente. Erst als empfindliche Strafen drohten gaben die Bayern schließlich doch noch nach. Jetzt haben sie aus der Not eine Tugend gemacht. Während im bundesdeutschen Register lediglich die nackten Summen angegeben werden, kann in einer speziellen bayerischen Datenbank zudem nachgeschlagen werden wofür die Bauern bzw. Handels-, Verwertungs- und Verarbeitungsbetriebe das Geld bekamen. Nachahmenswert!

Dass der Mann tatsächlich Landwirtschafts- und Verbraucherminister wird, ist zwar glücklicherweise nicht zu befürchten.Dennoch ist die Berufung des Bauernverbands-Vize und Agrar-Industriellen Udo Folgart in das Schatten-Team von Frank-Walter Steinmeier ein programmatischer Schlag ins Kontor: Ein vehementer Befürworter von Gentechnik, Agrarsprit und Industriemilch vertritt jetzt das landwirtschaftliche Profil der SPD. Tiefer in den Filz von Bauern- und Raiffeisenverband, Agrarindustrie, Subventionslobby alter Schule und ehemaliger DDR-LPG-Seilschaften hätten die Genossen nicht greifen können. Wie sie mit einem derart groben Klotz Verbraucherinnen oder aufgebrachte Kleinbauern begeistern wollen bleibt ihr Geheimnis.

Was stellen Sie sich unter „Bioökonomie” vor? Vielleicht, wie Bioprodukte sich rechnen, oder die Wirtschaft „bio” wird oder das Leben seine eigene Ökonomie hat? Man rätselt was die neue Kreation uns sagen will und wer vor allem uns die Botschaft schickt. Bio heißt Leben, Oikos der Haushalt, soviel haben wir gelernt, klingt irgendwie schick, soll es wohl auch.  Neuerdings hat Deutschland einen Bioökonomie-Rat. Mit zwei Millionen Euro Taschengeld von Forschungsministerin Annette Schavan alimentiert, soll er „wissenschaftlich fundierte Analysen zur nachhaltigen Nutzung von Biomasse entwickeln und Vorschläge für eine nationale Innovationsstrategie machen.”  Wir sind enttäuscht: Alles eine Biomasse? Dann lesen wir die Mitgliederliste des Rates und sind noch enttäuschter: Ausschließlich hochkarärtige Technokraten und Manager aus Industrie und Wissenschaft mit grober Gentechnik-Schlagseite.