Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Wenn “China Daily”, die größte englischsprachige Zeitung der chinesischen Regierung ein Thema diskutiert, signalisiert dies im Reich der Mitte zunächst eines: Kritik ist erlaubt. Keine Selbstverständlichkeit in einem Land, in dem die Zensur noch immer den öffentlichen Diskurs bestimmt. Am vergangenen Donnerstag berichtete China Daily erstmals über Widerstand und Bedenken gegen das im November erteilte Sicherheitszertifikat der nationalen Biosicherheitsbehörde, das dazu führen könnte, dass gentechnisch veränderter Reis in drei bis fünf Jahren im größten Reisland der Erde kommerziell angebaut wird.

Einmal im Jahr beherrschen ein Teint und eine Kluft das Kleinberlin rund um den Funkturm, die sonst im Bild der Stadt kaum vorkommen: Rote Backen, auch Nasen, ein natürlicher Glanz von frischem Speck und ein Blick, der es nicht gewohnt ist, an Menschen vorbeizusehen, deshalb zuweilen ein wenig unsicher wirkt und doch ein selbstverständliches Selbstbewußtsein ausstrahlt. Lodenmäntel, Lederhosen, Kammgarn-Anzüge und andere zeitlose Festtagsaufzüge, die garantiert nicht von Boss oder Armani stammen:  Die deutsche Bauernschaft, die es sich leisten kann, trifft sich zur Grünen Woche.

Ein neuer Streit um die Gentechnik tobt dieser Tage um die Milch: Wird “ohne Gentechnik” bald zur Selbstverständlichkeit bei Frischmilch, Käse, Joghurt und Quark? Freunde der Gentechnik laufen dagegen Sturm. Denn es geht dabei um mehr als nur die Frage, was die Kuh gefressen hat oder gar um Spitzfindigkeiten was wirklich gentechnikfrei ist oder nicht. Hinter dem was Grosskonzerne wie Lidl, Friesland/Campina, ReWe und andere als “heissen trend” entdeckt haben, stecken Fragen nach Klimaschutz, regionaler und globaler Gerechtigkeit und der Verantwortung und Macht der Verbraucherinnen, taucht eine faire Milch am Horizont auf und wird eine andere Agrarpolitik sichtbar, die wir alle gestalten könnten.

ndien der Lebensmittelpreis-Index innerhalb einer Woche von 14,6% auf 15,6% gegenüber dem Vorjahr ansteigt, ist das nicht irgendeine Meldung. Über ein Viertel der Hungernden dieser Welt sind Inder. Aktuelle Gründe sind ein Mix aus  Klima- und Finanz-Problemen. Ausbleibende Monsoon-Regen und anschließende Regengüsse zur Unzeit haben zu erheblichen Ernteausfällen geführt. Die Finanz-Intervention der Regierung zur Steigerung der Industrieproduktion heizt die Inflation an. Ein Vorgeschmack auf den nächsten “perfect storm” am Ernährungshorizont? Der UN-Beauftragte für Ernährungssicherheit, Olivier de Schutter, erwartet schon 2010 eine neue Nahrungskrise.

Gut dass man mal drüber geredet hat? Der Welternährungsgipfel der FAO wird in die Geschichte als ein Armutszeugnis internationaler Politik eingehen. Die Weltgemeinschaft der Potentaten und Staatschefs erwies sich einmal mehr als unfähig und unwillg, wirkliche Probleme gemeinsam anzugehen. Ein Vorgeschmack auf Kopenhagen?Die Schlusserklärung wurde bereits in der ersten Sitzung verabschiedet: Floskeln und Allgemeinplätze, Prinzipien und technische Details über die nach wie vor von Eifersucht und Streiterei geprägten internationalen Gremien, die die größte Menschenrechts-Verletzung aller Zeiten, den vermeidbaren Hunger eines Sechstels der Menschheit, weiter verwalten sollen. Zusätzliche Hilfsmittel wurden nicht zugesagt. Wie sich die einzelnen Staaten ihre bisherigen Zusagen zurecht rechnen und wieviel Geld tatsächlich auf dem Tisch liegt, ist selbst Eingeweihten ein Rätsel.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums der Vereinigten Staaten von Amerika hatten 49 Millionen US-Amerikaner (15% der Bevölkerung) im Jahre 2008 nicht immer genug zu essen, darunter 17 Millionen Kinder, 4,3 Millionen mehr als noch im Jahr zuvor. Dies ist die höchste Zahl seit Beginn dieser Aufzeichnungen. Landwirtschaftminister Vilsnack, der zum Welthungergipfel in Rom nur seine Stellvertreterin geschickt hat, erwartet für das laufende Jahr noch höhere Zahlen und sagte dazu: “Wir müssen uns sehr ernsthaft mit Ernährungssicherheit und Hunger in den USA auseinandersetzen.

Unhaltbare Versprechen, Grabenkriege um die Kontrolle globaler Entwicklungsgelder und Ernährungs-Institutionen, ungelöste Widersprüche um Agrarsprit, Welthandel und die Verteilung der Klima- und Umweltkosten, Arroganz der Industriestaaten und falsche Rücksichtnahme gegenüber Regierungen, die den Hunger in ihren Ländern nicht wirksam bekämpfen, prägen das Bild des Welternährungsgipfels, der heute in Rom begonnen hat und bereits nach einer Stunde seine Abschluß-Erklärung verabschiedete.

US-Präsident Obama hat den ehemaligen Leiter für Entwicklung der Melinda und Bill Gates Stiftung, Rajiv Shah (36) als neuen Leiter der US Entwicklungs-Behörde USAID nominiert. Shah hatte ihm bereits seit einigen Monaten als Unterstaatsekretär für Wissenschaft und Forschung im US Landwirtschaftsministerium gedient. In dieser Eigenschaft etablierte Shah das National Institute of Food and Agriculture, die neue zentrale Agrarforschungseinrichtung des USDA und besetzte sie mit dem Gentechniker Roger Beachy, der zuvor das Monsanto nahe Donald Danforth Plant Science Center gegründet hatte und leitete.

Kanadischen Farmern ist die Verunreinigung ihrer Ernte mit der gentechnisch veränderten Flachs-Sorte “Triffid”, die nirgends auf der Welt mehr zugelassen ist, in die Glieder gefahren. Ein Desaster: Die Preise für ihr Omega-3-Fettsäure haltiges Gesundheitsprodukt brechen ein und ein 300 Millione Dollar Markt ist in Gefahr, wie die kanadische Globe and Mail berichtet. Triffid wurde mittlerweile in 36 Staaten rund um den Globus gefunden.

Mit den Koalitionsvereinbarungen zum Thema Gen- und Biotechnologie ist die neue Koalition in etwa da wieder angekommen, wo die letzte Regierung Kohl stehengeblieben war: Alles prima, alles Techno, alles schick. Gentechnk hilft gegen Hunger und wird ab sofort noch mehr gefördert. Auf EU Ebene werden die Zulassungsanträge durchgewunken und die Forderungen der CSU nach regionaler Selbstbestimmung finden sich als, freilich ausbaufähiger Bettvorleger von Abstandsregelungen beim Anbau wieder. Die Zulassung von Mon 810 wird dem Gericht überlassen und zur Belustigung der Industrie soll die Gentechnik-Kartoffel von BASF dafür so schnell wie möglich angebaut werden. Dass der Text ziemlich genau dem entspricht was wir zu Beginn der Koalitionsverhandlungen vorausgesagt hatten, kann auch nicht wirklich fröhlich stimmen.