Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Die „neuen Philanthropen“, wie sich die Milliardäre des 21. Jahrhunderts nennen, schaffen mit ihren Stiftungen unter Umgehung demokratischer Entscheidungsprozesse die Voraussetzungen für die Ausdehnung der Märkte transnationaler Konzerne. Verbrämt durch einen Diskurs der Armutsbekämpfung, fördern sie die Entstehung einer neuen agrarischen Mittelschicht im subsaharischen Afrika, die ausreichend zahlungskräftig ist, um sich die Segnungen einer neuen Grünen Revolution leisten zu können. Mangel an Demokratie ist eine wesentliche Voraussetzung dafür. Zwar behauptet die Grüne Revolution 2.0, dass sie die afrikanischen KleinbäuerInnen aus der Armutsfalle ziehen wolle, doch gerade diese profitieren nicht davon! Die eigentlichen Nutznießer des neuen landwirtschaftlichen Booms sind – wie Untersuchungen in Kenia und Sambia zeigen – reiche Städter, in der Mehrzahl Regierungsangestellte, die sich in die Landwirtschaft einkaufen.

Zum Jahreswechsel gehören die Rückblicke auf Ereignisse und Entwicklungen des vergangenen Jahres, die für wichtig erachtet werden, und der Versuch, vorausschauend mögliche Themen und Schwerpunkte zu benennen. Wie sieht das für Globe-spotting anlässlich des Jahreswechsels 2014 zu 2015 aus?

Von Bretton Woods bis ‘Troika’ – Chronik des IWF; Expansion der Supermarktketten; Private Versorgungsunternehmen verlieren weitere Städte; PPP in developing countries; Offizielle Hungerzahlen kurz vor dem Ziel; “Global water scene not as rosy as officially painted“; ‘Grüne Revolution’ will Investoren und Armen helfen; Energiepflanzen bei Investoren begehrt, aber riskant; u.a.m.

von Uwe Hoering, September 2013

Das Konzept der Ernährungssouveränität hat sich als wirkungsvolle Kritik an der kapitalistischen industriellen Landwirtschaft und als Gegenentwurf für eine landwirtschaftliche und ländliche Entwicklung, die an der Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft ansetzt, etabliert. Bei einer internationalen Konferenz Mitte September an der Yale University soll es einem „kritischen Dialog“ unterzogen werden. Provokanter Einstieg in die Diskussion ist der Beitrag „Food Sovereignty: A skeptical view“ von Henry Bernstein, der sich mit dem Konzept „as a political project and campaign, an alternative, a social movement, and an analytical framework“ auseinandersetzt.

Für Hamburger werden Wälder abgebrannt, für Fischstäbchen die Weltmeere leergefischt, für Aquakulturen Mangrovenwälder vernichtet. Die industrielle Produktion von Fleisch und Fisch frisst sich nicht nur wie ein Krebsgeschwür durch die natürliche Umwelt, sondern diktiert zunehmend weltweit die Produktionsbedingungen für Landwirtschaft und Tierhaltung – viele Gründe für einen eigenen Themenschwerpunkt auf globe-spotting.de: Fish & Ribs

Die heftigen Preisausschläge für Grundnahrungsmittel wie Getreide, die momentan wieder Schlagzeilen machen, haben dazu geführt, dass Regierungen, NGOs, Gewerkschaften und Agrarinstitutionen im Namen der Ernährungssicherheit fordern, die Spekulation mit Agrarprodukten zu regulieren. Das Thema wird auch beim G20-Treffen von Industrie- und Schwellenländern im November in Seoul auf der Tagesordnung stehen. Eine Bestandsaufnahme

Ja, zu viel Handel macht Hunger! Also ein Handel, der nicht den Schutz der kleinbäuerlichen Grundnahrungsmittelproduktion und den Aufbau einer verarbeitenden Lebensmittelindustrie erlaubt.  Das Handelsunternehmen Töpfer International sieht das anders. “Nein, im Gegenteil!” Der Reismarkt in der ersten Jahreshälfte 2008 sei ein Paradebeispiel dafür, wie zu wenig Handel Hunger verursache. So ging es hin und her im Streitgespräch über Welternährung und die Rolle des Agrarhandels bei der Bekämpfung des Hungers mit Klaus-Dieter Schumacher von Töpfer-International.

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