Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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In Mexiko werden pro Hektar 16mal so viele Insektizide versprüht wie in Deutschland. Das Pesticide Action Network (PAN) veröffentlicht in regelmäßigen Abständen eine globale Liste hochgefährlicher Pestizide und fordert, diese aus dem Verkehr zu ziehen. Die Einstufung als »hochgefährlich« basiert auf den offiziellen Einschätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und anderer Institutionen. Bayer Cropscience und BASF beherrschen rund 30 Prozent des globalen Pestizidmarktes und haben Niederlassungen in Mexiko. Dort vertreiben sie 80 Pflanzenschutzmittel, die in die Kategorie »hochgefährlich« fallen. Fünf von ihnen sind in der EU verboten. Es stellt sich die Frage, warum solche Mittel in Ländern wie Mexiko zur Anwendung kommen, obwohl die dortigen Bedingungen für den Schutz von Mensch und der Umwelt schlechter sind als in Europa.

Zivilgericht stoppte Genmaisanbau. Agrarmultis laufen Sturm gegen das Urteil. Wissenschaftler starten internationale Kampagne zur Verhinderung von Agrogentechnik.

Seit Mitte der 1990er Jahre bemühen sich die Gentechnikkonzerne, in Mexiko Fuß zu fassen. Bei Baumwolle und Soja ist es ihnen bereits gelungen. Beim gentechnisch veränderten Mais schien Ende 2011 die letzte Hürde gefallen zu sein, aber inzwischen gibt es wieder Hoffnung.

Industrielle Schweinmastanlagen zerstören die Umwelt, rufen gesundheitliche Schäden hervor, verunreinigen das Grundwasser sowie Oberflächengewässer. All das bekommen auch die BewohnerInnen des Perote-Tals im mexikanischen Bundesstaat Veracruz zu spüren. Doch es bedurfte erst des Ausbruchs der vom H1N1-Virus hervorgerufenen Schweinegrippe im Jahr 2009, um die dortigen Verhältnisse ins Rampenlicht der internationalen Öffentlichkeit zu rücken. Der Ursprung dieser zeitweise von der Weltgesundheitsorganisation als globale Epidemie (Pandemie) eingestuften Grippewelle ließ sich in den Ort La Gloria zurückverfolgen. Seit September gehören die Mastfabriken des Perote-Tals dem chinesischen Konzern Shuanghui.

Obwohl Mexiko für das klassische Land Grabbing ein untypischer Fall ist, spielt das Phänomen eine durchaus beachtliche Rolle, wenn man den Blickwinkel erweitert und Land Control Grabbing einbezieht. Bei einer solchen Erweiterung des Blickwinkels wird deutlich, dass auf diese Weise in Mexiko inzwischen 30% der landwirtschaftlichen Nutzfläche durch Dritte kontrolliert werden. Umgekehrt gibt es zaghafte Versuche von Regierungen bestimmter Länder, Land Grabbing durch gesetzlich Regelungen bzw. Moratorien einzudämmen. Daran knüpft sich die Frage an, ob sich bäuerliches Wirtschaften und agrarökologische Methoden, gegen die mit dem Landraub verbundene Großflächenproduktion werden behaupten können. Zwei Beiträge hierzu sind auf www.welt-ernaehrung.de verlinkt.

Vor kurzem begrüßte der zuständige UN-Sonderberichterstatter, dass Mexiko dem Recht auf Nahrung Verfassungsrang eingeräumt hat. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die verfassungsmäßige Anerkennung dieses Rechts nicht nur eine weitere Inszenierung im Rahmen von Mexikos simulierter Demokratie darstellt, ähnlich wie bei anderen völkerrechtlichen Abkommen. In einer kürzlich veröffentlichten Analyse wurde das nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) als wesentlicher Grund für den in Mexiko herrschenden Hunger identifiziert: Ende 2010 lebten 20 Millionen Einwohner Mexikos in “Ernährungsarmut”, einem Zustand, bei dem die betroffenen Personen sich nicht leisten können, eine ausreichende Menge an Grundnahrungsmitteln zu kaufen.

Dem Weltklimarat (IPCC) zufolge wird Mexiko bis zum Jahr 2050 zwischen 13 und 27 Prozent seiner landwirtschaftlicher Nutzfläche verlieren. In den nächsten Jahrzehnten wird mit einer kumulativen Erhöhung der Migration aufgrund klimabedingter Ernteausfälle um sechs bis sieben Millionen Menschen gerechnet, zusätzlich zu der ohnehin seit Jahren stattfindenden Auswanderung aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Misere – so die Einschätzung einer Studie der Princeton Universität (USA). Doch während die mexikanische Regierung mit rhetorischem Umwelt- und Klimaschutz dagegen hält, sind dort Menschen, die sich für diese Ziele tatsächlich einsetzen, Repressionen ausgesetzt.

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