Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Nicht selten ruft die Frage, ob und unter welchen Bedingungen die wachsende Weltbevölkerung ausreichend ernährt werden kann, Ratlosigkeit und Unbehagen hervor. Eine negative Antwort würde den Hungertod Hunderter Millionen Menschen mit kaum vorstellbaren gesellschaftlichen Folgen bedeuten. Schließlich sind schon heute zirka 850 Millionen Menschen unterernährt, was bedeutet, dass alljährlich etwa 10 Millionen Menschen an Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen sterben. Die Frage, was getan werden müsste, um bei gleichzeitig wachsender Weltbevölkerung von diesem Genozid wegzukommen, wird sehr unterschiedlich beantwortet.

Mir der Forderung „Bauernhöfe statt Agrarindustrie“ verbindet sich ein postindustrielles Konzept bäuerlicher, solarer Landwirtschaft, die lokale und regionale Stoff- und Wirtschaftskreisläufe so integriert und optimiert, dass Effizienzschübe möglich werden. Es geht also nicht darum, in jene Art vor-fossiler Landwirtschaft zurückzufallen, die knapp ein Drittel der gesamten Fläche zur Energieversorgung von Pferden und anderen Zugtieren einsetzte. Aber wenn wir vermeiden wollen, dass schwindende natürliche Ressourcen zu globalem Mord und Totschlag führen, bleibt uns nur radikales Umdenken und Handeln. Mit dieser Thematik setzt sich der Beitrag in den „Münchner Stadtgesprächen“ (in der PDF auf Seite 4-6) vom April 2014 auseinander.

by Duncan Green, Oxfam, 20 February 2014: “People do not protest because they are hungry, but on the basis of powerful ideological justifications that arise from ideas about how food markets should work, the limits set by public opinion on the freedoms of (food) markets in times of scarcity or crises, and the idea that public authorities are responsible to act to protect people’s rights to food at such times.”

Die Angst vor »Brotrevolten« (Food Riots), die in den Jahren 2007/2008 die Welt erschütterten, scheint verflogen. Im Jahr 2009 reduzierten sich die Weltmarktpreise für Nahrungsmittel auf das Durchschnittsniveau von 2007, aber seit 2011 liegen sie sogar über dem Wert von 2008. Doch wo bleiben die massiven Proteste?
Während es keinen Zweifel darüber gibt, dass die Preisexplosion vor rund fünf Jahren zu den globalen „Brotrevolten“ führte, gehen die Meinungen über die Ursachen für die Preisexplosion weit auseinander. Angela Merkel verkündete im April 2008 öffentlich, dass die Menschen in Indien daran Schuld seien, denn dort nähmen neuerdings 300 Millionen Menschen eine zweite Mahlzeit am Tag ein.
Hier wird gezeigt, dass die Spekulation an den Rohstoffbörsen wesentlichen Anteil daran hat.

Am vierten Tag der Suche nach der Ernährungssicherheit in Senegal erfahren wir, welche Auswirkungen ein Importstopp für Zwiebeln aus Europa hatte, und diskutieren, ob das Beispiel auch auf andere Agrarprodukte wie Reis übertragen werden kann.

Das Buch “Agrar-Kolonialismus in Afrika. Eine andere Landwirtschaft ist möglich” von Uwe Hoering, erschienen 2007 im VSA-Verlag, Hamburg, ist jetzt als pdf-Datei (0,9 MB) erhältlich.

Im Juni fand erstmals ein Treffen der Agrarminister der G20, der Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer statt. Zahlreiche Fragen, wie die problematische Ernährungssituation verbessert werden könnte, wurden angesprochen, wie Sophia Murphy om Institute for Agriculture and Trade Policy berichtet, Entscheidungen jedoch vertagt.

Sprunghaft steigende Preise für Getreide wecken Erinnerungen an die Krise vor zwei, drei Jahren, als der „Tortilla-Krieg“ in Mexiko Schlagzeilen machte. Um einer neuerlichen Ausweitung der Ernährungskrise zu begegnen, ertönt jetzt immer häufiger der Ruf nach einer Regulierung der globalen Nahrungsmittelmärkte. Was für die Finanzmärkte diskutiert wird, scheint doch für Spekulanten, die mit dem täglich’ Brot spielen, erst recht angesagt. Das klingt radikal. Es hilft aber leider wenig. Ein Kommentar von Uwe Hoering.

Ja, zu viel Handel macht Hunger! Also ein Handel, der nicht den Schutz der kleinbäuerlichen Grundnahrungsmittelproduktion und den Aufbau einer verarbeitenden Lebensmittelindustrie erlaubt.  Das Handelsunternehmen Töpfer International sieht das anders. “Nein, im Gegenteil!” Der Reismarkt in der ersten Jahreshälfte 2008 sei ein Paradebeispiel dafür, wie zu wenig Handel Hunger verursache. So ging es hin und her im Streitgespräch über Welternährung und die Rolle des Agrarhandels bei der Bekämpfung des Hungers mit Klaus-Dieter Schumacher von Töpfer-International.

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