Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Im August 2013 streikten die Bauern in Kolumbien für mehrere Wochen und stellten die Belieferung der Städte mit Nahrungsmitteln quasi ein. Zusammen mit Studenten, Indigenen und Industriearbeitern, die sich solidarisch erklärten, legten sie das Land lahm. Die Auswirkungen der Freihandelsabkommen mit den USA und Europa auf die Landwirtschaft des Landes und die Empörung über eine damit zusammenhängende Saatgutverordnung waren der zentrale Auslöser. Mit letzterer wurde selbstproduziertes Saatgut für illegal erklärt und dessen Beschlagnahmung und Zerstörung verfügt.
Ein Gastbeitrag von Anne Schweiglervon der Saatgutkampagne

Die Jahrestagung der Gentechnik-Lobbyorganisation InnoPlanta e.V. am 4. September 2012 in Gatersleben beklagte die “Über- bzw. Missregulation” bei der Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa und erging sich in Spekulationen über “Sabotageakte” bei der erhofften Einführung des “Golden Rice” im Jahr 2014 in Ländern Südostasiens. Zugleich wurde auf der Tagung unverblümt deutlich, was Gentechnik-GegnerInnen bereits seit 2005 klar ist: Der “Golden Rice” dient als Rammbock gegen die Sicherheitregularien für Gentechnikpflanzen generell. Aber auch sonst vermittelte der Besuch dieser Veranstaltung interessante Einsichten.

Anders als bei gentechnisch veränderten Pflanzen erfährt die Öffentlichkeit wenig über die weit fortgeschrittene Entwicklung gentechnisch veränderter Tiere. Ein internationales Symposium über Gentransfer bei Tieren, das die Niederländische Gentechnik-Kommission COGEM kürzlich durchführte, war eine seltene Gelegenheit, mit Managern und Forschern zu diskutieren. Doch deren Reaktion bestand weitgehend aus Schweigen, Ablenken und Diffamieren der Kritik. Ein Tagungsbericht

Britische Forscher melden einen “Durchbruch” beim Schutz von Tieren gegen Virusinfektionen. In der Wissenschaftszeitschrift Science berichten sie darüber, dass Hühner genetisch so verändert wurden, dass die Übertragung der Vogelgrippe sowohl von Tier zu Tier als auch von Tier zu Mensch unterbunden werde. Davon versprechen sie sich nicht nur wirtschaftliche Vorteile für die Industrie, sondern auch eine größere Akzeptanz für die Anwendung von Gentechnologie bei der Produktion von Nahrungsmitteln. Ein Kommentar von Uwe Hoering

Kubas Landwirtschaft befindet sich in einer wichtigen Phase. Es existieren günstige Voraussetzungen, um mittelfristig Ernährungssouveränität zu erreichen und es besteht der politische Wille, die ehemals industriell geprägte Landwirtschaft Kubas in eine solche zu transformieren, die von hoch produktiven, nachhaltig wirtschaftenden bäuerlichen Betrieben bestimmt wird. Aber der bewunderten »Revolution der Nachhaltigkeit« droht Gefahr aus der eigenen gentechnischen Ecke. Seit kurzem ist die Diskussion um dieses Thema entbrannt.

In einem streckenweise amüsant zu lesenden Urteil hat der Europäische Gerichtshof die Patentansprüche der Firma Monsanto auf Sojaschrot, der aus Argentinien nach Rotterdam verschifft wurde, vor die Wand laufen lassen. Seit Jahren ärgert sich der weltweite Gentech-Kaiser über die Praktiken der lateinamerikanischen Soja-Barone, seine “RounupReady” Soja einfach nachzubauen und dafür keine Patentgebühren zu bezahlen. Deshalb wollte er die Patentgebühr in Rotterdam abkassieren. Jetzt hat er sich ein Urteil eingefangen, das Wellen schlagen könnte.

Einen interessanten Beitrag dazu wie realistisch und ehrlich es ist, auf Basis der Übereinstimmung, über die grundlegende Fragen nicht übereinzustimmen, technische und wirtschaftliche Kompromisse der Koexistenz beim Gentechnik-Anbau zu suchen, lieferte der wissenschaftliche Beirat des Landwirtschaftsministeriums. Mit etwas gutem Willen und reichlich Gentechnik in der gentechnikfreien Produktion, vor allem im Saatgut, ist in den Augen der Wissenschaftler die Quadratur des Kreises eigentlich gar kein Problem. Die Empfehlungen der Wissenschaftler ließ Ministerin Ilse Aigner vorsorglich nur durch einen Staatssekretär entgegennehmen.

Schwarz ist die Farbe des Erdöls. Das treibt die Wirtschaft an. Weil das globale Ölfördermaximum naht sollen Treibstoff, Strom und anderes Material im Wortsinn aus der Erde wachsen. Doch jede gute Idee kann kontraproduktiv werden, wenn sie verabsolutiert wird. Denn da gibt es noch die Nahrungsmittelkrise, sie wird vermutlich verschärft durch den neuen Kampf um das ursprünglichste aller Gemeingüter: Grund und Boden. Wenn es um Wachstumsfragen geht, habe ich diese Dinge im Kopf. Auf  einer Veranstaltung zu solchen Fragen erlebte ich jüngst einen bemerkenswerten Schlagabtausch. A: „Nachhaltiges Wachstum kann es nicht geben.“ -B: „Aber wir brauchen Wachstum, wir brauchen eine 3. industrielle Revolution.“ – A: „Wie soll sie aussehen?“ – B: „Wir verbrennen Biomasse statt Öl und bauen die Infrastruktur, um die so gewonnene Energie zu importieren.“ – A: „Habe ich Sie richtig verstanden? Läuft der Green New Deal, den sie vorschlagen, auf eine braune Akkumulation hinaus?”  Braun ist die Farbe der Erde. Zwischenrufe und Empörung im Saal …  hier geht’s weiter.

Faladji sind lebensspendend. Das Wort kommt aus dem Persischen und bezeichnet ein antikes Bewässerungssystem. Für die Wassernutzung in Haushalten und Landwirtschaft sind die faladji oder quanats in vielen ariden arabischen Ländern unverzichtbar Wie die acequias in Mexiko oder die johads in Indien folgen sie einem einfachen Prinzip: An den Berghängen wird das Grundwasser angegraben und dann in Kanälen – die Topographie geschickt nutzend – zu den Siedlungen geleitet. Dabei sind die Nutzungsregeln so festgelegt, dass sich niemand benachteiligt fühlt.

Seit 2006 ist das Aflaj-faladj System in den Regionen Dakhiliya, Sharqiya und Batinah des Sultanats Oman UNESCO-Weltkulturerbe. Sie stellten „eine außergewöhnlich gut erhaltene Form der Landnutzung dar“, heißt es in der Begründung. In den genannten Regionen sind noch 3,000 Kanalsysteme in Benutzung. Im ganzen Land sollen es nach Auskunft des Wasserministeriums 11.000 sein. Warum “faladji” so alt geworden sind wie Methusalem erfahren Sie hier.

Die EU Kommission will künftig allen Mitgliedsstaaten freistellen, den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ohne wissenschaftliche Begründungen zu verbieten. Mit diesem Schritt hofft sie, Staaten, die den Gentechnikanbau ablehnen, zu befrieden und jenen, die ihn vorantreiben wollen, bessere Voraussetzungen zu schaffen. Anders sei der tote Punkt des europäischen Gentechnik-Streits nicht zu überwinden. Ein Sieg der Anti-Gentechnikbewegung mit Phyrrus-Potential.

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