Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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November 2013: Ende Oktober wurde eine Studie über Zertifizierungssysteme für Kaffee, Kakao und Baumwolle vorgestellt, die die Industrie-Stiftung SUSTAINEO in Auftrag gegeben hatte. Sie bestätigt, dass dadurch die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen für die Mehrheit der Kleinbauern kaum verbessert werden. Gleichzeitig bietet sie einen guten Einblick in die Denke der beteiligten Konzerne.

Entwicklungskorridore für die Agrarindustrie in Afrika

Heutzutage sind keine Kanonenboote mehr nötig, um Zugang für Investoren zu Absatzmärkten und Rohstoffen zu öffnen. Die G8-Regierungen, das Weltwirtschaftsforum, Weltbank und Internationaler Währungsfonds oder private Stiftungen wie Rockefeller und Gates haben ganz andere Waffen, um ökonomische Interessen durchzusetzen. Doch das neue Konzept der ‚Korridore für landwirtschaftliche Entwicklung’ erinnert fatal an koloniale Erschließungsstrategien.

Aufmerksam beobachten die Gurus der globalen Agrarbörsen die landwirtschaftliche Produktion in China. Denn was die 200 Millionen Bauern an Getreide und anderen Produkten liefern, hat Auswirkungen auf die Weltmärkte. Und damit auf Preisentwicklung und Nahrungsmittelspekulation. Daher weckt es Hoffnungen auf Gewinn, wenn ein führender Funktionär der Kommunistischen Partei vor der schwindenden Ernährungssicherheit des Landes, der Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln, warnt.

Freihandel als ökologische und moralische Verpflichtung

Mit der Ankündigung, er werde „schwierige“ und „unangenehme Fragen“ behandeln, schürte WTO-Generaldirektor Pascal Lamy die Spannung auf seine Rede bei einer Konferenz der Zeitschrift The Economist in Genf. Bei dem Treffen „Feeding the World“ Anfang Februar machten sich führende Manager aus Lebensmittel- und Agrarindustrie Gedanken darüber, wie die Welt und neun Milliarden Menschen ernährt werden können.

In einem streckenweise amüsant zu lesenden Urteil hat der Europäische Gerichtshof die Patentansprüche der Firma Monsanto auf Sojaschrot, der aus Argentinien nach Rotterdam verschifft wurde, vor die Wand laufen lassen. Seit Jahren ärgert sich der weltweite Gentech-Kaiser über die Praktiken der lateinamerikanischen Soja-Barone, seine “RounupReady” Soja einfach nachzubauen und dafür keine Patentgebühren zu bezahlen. Deshalb wollte er die Patentgebühr in Rotterdam abkassieren. Jetzt hat er sich ein Urteil eingefangen, das Wellen schlagen könnte.

Grün und europäisch, irgendwie dynamisch brav, so kommt das neue Biosiegel der EU daher, das ab 1. Juli alle Bioerzeugnisse schmücken soll. Designerisch ist es gegenüber dem alten logo fraglos ein Fortschritt; auch wenn es inhaltlich (wie auch das deutsche Biosiegel) das  Zeichen für den niedrigsten verfügbaren Biostandard nach der EU-Öko-Verordnung bleibt. Pünktlich zur morgigen Eröffnung der Biofach in Nürnberg ist das neue logo, das von einem Düsseldorfer Desingstudenten entworfen wurde, jetzt fertig.

Der Film “Bananas!” des schwedischen Dokumentarfilmers Frederik  Gertten ist ein erschütternder, mutiger und kontroverser Film. Berlinale Besucher sollten ihn nicht verpassen. Denn noch ist ungewiss ob er je in deutschen Kinos zu sehen sein wird. Die Weltfirma Dole, von deren Bananenarbeitern er handelt, versucht ihn mit allen Mitteln zu unterdrücken; zumindst solange die Öffentlichkeit sich dies gefallen läßt.

Kanadischen Farmern ist die Verunreinigung ihrer Ernte mit der gentechnisch veränderten Flachs-Sorte “Triffid”, die nirgends auf der Welt mehr zugelassen ist, in die Glieder gefahren. Ein Desaster: Die Preise für ihr Omega-3-Fettsäure haltiges Gesundheitsprodukt brechen ein und ein 300 Millione Dollar Markt ist in Gefahr, wie die kanadische Globe and Mail berichtet. Triffid wurde mittlerweile in 36 Staaten rund um den Globus gefunden.

“Von Krise war auf der Anuga nichts zu spüren”, bilanzierte der Präsident des Bundesverbandes des deutschen Lebensmittelhandels (BVL) das Ergebnis der weltgrößten Ernährungsmesse in Köln, “Gegessen wird eben immer.” Wirklich? Die FAO veröffentlichte gestern ihren neuesten Bericht zur Welternährungslage: Die Zahl der Unterernährten hat einen neuen Weltrekord aufgestellt: 1,02 Milliarden Menschen. Ein Sechstel der Menschheit hungert. Ein anderes Sechstel leidet an Fettsucht. Das war die Zielgruppe der globalen Fertiggericht-, Aroma-, Fleisch- und Zuckerschau. Brutaler als mit dem offziellen logo der Veranstaltung, dessen gestylte Lippen eine kleine quadratische Erde vernaschen, läßt sich der Zustand der Welternährung kaum ausdrücken.

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