Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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von Uwe Hoering, Oktober 2015:

Die Meldung machte zwar keine großen Schlagzeilen, aber sie wirft ein Schlaglicht auf die internationale Agrar- und Ernährungspolitik: Mitte Oktober, passend zum Welternährungstag, meldeten unter anderem The Guardian: “The Ethiopian government is calling for international assistance to help feed 8.2 million people after erratic rains devastated crop yields.” Deshalb möchte sie noch in diesem Jahr knapp 600 Millionen US-Dollar an Hilfsgeldern haben.

Zirkulierende Migration, die Rückkehrmöglichkeit zu ihren im ländlichen Bereich gebliebenen Familien, bei Jobverlust oder steigenden Lebenshaltungskosten im urbanen Bereich, ist eine wichtige Überlebensstrategie in Afrika. Doch es besteht die begründete Sorge, dass diese Möglichkeit der Risikominderung mehr und mehr verschwinden wird, nämlich in dem Maße, in dem Agrarkonzerne und die für sie arbeitenden Institutionen die “Hungerbekämpfung” übernehmen. Der Beitrag befasst sich mit Migration, Urbanisierung und der Landfrage – dem laut T.S. Jayne et al. (2014) “am stärksten vernachlässigten entwicklungspolitischen Thema” in Afrika.

Nicht selten ruft die Frage, ob und unter welchen Bedingungen die wachsende Weltbevölkerung ausreichend ernährt werden kann, Ratlosigkeit und Unbehagen hervor. Eine negative Antwort würde den Hungertod Hunderter Millionen Menschen mit kaum vorstellbaren gesellschaftlichen Folgen bedeuten. Schließlich sind schon heute zirka 850 Millionen Menschen unterernährt, was bedeutet, dass alljährlich etwa 10 Millionen Menschen an Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen sterben. Die Frage, was getan werden müsste, um bei gleichzeitig wachsender Weltbevölkerung von diesem Genozid wegzukommen, wird sehr unterschiedlich beantwortet.

Von Uwe Hoering, März 2014: Nicht nur die Gas- und Öllieferungen für Europa und die Welt könnten durch den Konflikt um die Ukraine und eventuelle Sanktionen beeinträchtigt werden, sondern auch die Getreideversorgung. Noch sitzt die Welt auf einer Rekordernte, die die Preise bislang stabilisiert hat. Doch Händler in den USA beginnen bereits, über „Konflikt-Aufschläge“ nachzudenken, die Preise für Weizen und Mais steigen.

by Duncan Green, Oxfam, 20 February 2014: “People do not protest because they are hungry, but on the basis of powerful ideological justifications that arise from ideas about how food markets should work, the limits set by public opinion on the freedoms of (food) markets in times of scarcity or crises, and the idea that public authorities are responsible to act to protect people’s rights to food at such times.”

Mit neuen Maissorten wird versucht, den Saatgutmarkt aufzumischen.

Seit Jahren gibt es Bestrebungen, mit gentechnisch verändertem ‚Goldenen Reis’ ein verbreitetes Ernährungsproblem, den Vitamin-A-Mangel, anzugehen. Doch bislang hat er in keinem Land eine Zulassung, nicht zuletzt, weil er ein Einfallstor für die Gentechnologie im Nahrungsmittelbereich darstellt. Was mit dem ‚Goldenen Reis’ bislang nicht gelang, soll jetzt mit der Hilfe neuer Maissorten erreicht werden.

Der offizielle Start von vier Großprojekten des »German Food Partnership«-Programms (GFP) am 5.11.2013 war Anlass zu scharfer Kritik an dieser »Entwicklungspolitik im Dienst deutscher Konzerne«. Von der Vorgehensweise und von der Struktur her ähnelt diese »Partnerschaft«, an der BASF, Bayer Cropscience, aber auch die Handelskette Metro, der Verband der Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen und die Düngemittelindustrie beteiligt sind, der »Alliance for a Green Revolution in Africa«. Bei beiden geht es um die Schaffung vertikal integrierter Wertschöpfungsketten, bei denen bekanntlich der Wert vor allem am unteren Ende der Kette von den Bäuerinnen und Bauern geschaffen und dann schrittweise nach oben transferiert wird.

Das Ernährungssicherungs-Gesetz in Indien
von Uwe Hoering, Oktober 2013

Das Recht auf Ernährung ist, so scheint es, mittlerweile allgemein anerkannt. Jetzt kommt es darauf an, den Anspruch auf Zugang zu ausreichender Nahrung auch umzusetzen. Das Ernährungssicherungs-Gesetz (National Food Security Bill), das Anfang September vom indischen Parlament verabschiedet wurde, könnte ein Meilenstein dafür sein. Und es könnte den Widerspruch zwischen überquellenden Vorratslagern und Getreideexporten auf der einen Seite, verbreitetem Hunger auf der anderen lösen. Doch die Chancen dafür stehen schlecht.

Seit 2006 bemüht sich, relativ wenig beachtet, die “Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika”, den profitablen Teil der afrikanischen Landwirtschaft in den Weltmarkt zu integrieren. Hinzu kommt, dass parallel dazu, ebenfalls in Afrika, seit 2010 versucht wird, eine wichtige Komponente agrarökologischer Anbauverfahren unter private Kontrolle zu bringen – die biologische Anreicherung von Stickstoff im Boden. Wiederum gehört die Bill & Melinda Gates-Stiftung zu den Hauptakteuren.

Im Jahr 2001 zwangen Geberländer und Internationaler Währungsfonds Malawi, das Subventionsprogramm für Saatgut und mineralischen Dünger drastisch zurückzufahren und die strategische Getreidereserve zu verkaufen. Verschärft durch erratische Regenfällen führte das im Jahr 2002 zu einer Hungerkatastrophe, die sich im Jahr 2005 wiederholte. Als die malawische Regierung internationalen Ratschlägen zum Trotz die subventionierten Startpakete wieder einführte, verdoppelte sich die Maisernte in Jahresfrist. Doch wie nachhaltig ist diese „kleine grüne Revolution“ und was wären die Alternativen?

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