Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Seit elf Jahren befasst sich die erste Regierungserklärung eines neuen Jahres (No.1 Central Document), mit der das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas und der Staatsrat, i.e. die Zentralregierung in Beijing, ihre politischen Prioritäten vorstellen, mit den ‚Three rural issues’ – der Landwirtschaft, den ländlichen Gebieten und der Lage der bäuerlichen Bevölkerung. Das zeigt die große Bedeutung, die die Agrarfrage nach wie vor für die Politik hat.

In seinem Jahresbericht 2012 sieht das Forschungsinstitut für Ernährungspolitik, IFPRI, China an einem „Wendepunkt“. Nachdem das Land jahrelang bei wichtigen Getreidesorten Selbstversorger war, wurden im vergangenen Jahr zwei bis drei Millionen Tonnen Reis, vier bis fünf Millionen Tonnen Weizen und fünf bis sechs Millionen Tonnen Mais importiert. Andere Beobachter sehen China deswegen gar auf dem Weg in eine „strategische Abhängigkeit“ vom Weltagrarmarkt.

BRICS-Gipfel in Südafrika; Lebensmittelindustrie: Verlust und Verschwendung; Wer bringt Afrikas Landwirtschaft voran?; Wasserpolitik: ‘Notverkäufe’ des Tafelsilbers; Sponsorengeld für Gentech-Mais und -Weizen; Agrarkooperation Afrika-Brasilien-China; Experiment mit individuellen Landtiteln in China; u.a.m.

6. November 2012: Tam Giang-Cau Hai ist die größte Lagune in Südostasien. 70 Kilometer lang erstreckt sie sich nicht weit entfernt von der alten Kaiserstadt Hué an der Ostküste Vietnams. Bis vor einigen Jahren lebten viele Menschen hier noch als “Lagunen-Nomaden” auf ihren Hausbooten vom Fischfang. Doch durch Überfischung und Umweltschäden sind die Bestände dramatisch zurückgegangen. Die Einwohner des Dorfes Ngu My Thanh versuchen nun, durch schonendere Methoden die Lagune zu retten und sich durch Ökotourismus zusätzliche Einkünfte zu verschaffen.

Masipag, eine philippinische Bauernorganisation, pflegt einen kreativen Umgang mit der Gesetzgebung, weil die Bäuerinnen und Bauern davon überzeugt sind, dass Saatgut niemandem allein gehören kann.  Masipag: das heißt soviel wie “Landwirte und Wissenschaftler für Entwicklung”.

Die Organisation besteht seit 1986 und hat sich intensiv mit den Folgen der so genannten Grünen Revolution auseinandergesetzt: Verlust an Kulturpflanzenvielfalt, höhere Kosten durch zunehmenden Pestizideinsatz, saure Böden und vieles mehr. Und somit: mehr Abhängigkeit durch Schulden für ohnehin schon arme Bauern. Von genetischem Imperialismus ist die Rede. Tatsächlich ist “modernes” Saatgut (Hybridsaatgut oder genmanipuliertes Saatgut) für viele Bauern heute unerschwinglich. Wenn sie kaufen wollen, benötigen sie meist einen Kredit. Wenn sie dann kaufen, drücken Schulden, denn Zinssätze zwischen 25-50% (!) sind in den Tropen weit verbreitet. Da hilft nur selber züchten! Aber wie? „Farmer-Led Participatory Plant Breeding“ heißt das Konzept, das zu mehr Selbstermächtigung und Vielfalt führt. Die Zusammenfassung der Arbeit von Masipag klingt nach der Erdung von Elinor Ostroms Designprinzipien für erfolgreiches gemeinschaftliches Ressourcenmanagement und nach einem intelligenten “legal hack“. Genau das, was die Welt braucht.

Wer mehr wissen will: hier geht’s lang.

 

Wachsender Fleischkonsum zeigt den zunehmenden Wohlstand in China, doch die ländlichen Familienbetriebe profitieren davon kaum: ihre kleinbäuerliche Tierhaltung wird zunehmend durch industrielle Fleischproduktion verdrängt, das Futter wird überwiegend importiert, zum Beispiel als Gensoja aus Brasilien.

Gestützt auf einen autoritativen Bericht der FAO wird vermittelt, dass die Behauptung, die gestiegene Nachfrage nach Nahrungsmitteln sei auf den wachsenden Wohlstand in China und Indien zurückzuführen, ein Mythos ist. Im Gegenteil: Wachsende Massenarmut senkt dort gesamthaft den Nahrungskonsum. Der globale Nahrungskonsum verlangsamt sich. Immer mehr Lebensmittel gehen in die Agrospritindustrie. Ein Gastbeitrag von der führenden indischen Ökonomin Jayati Ghosh.

Keine drei Jahre, nachdem GRAIN mit seinem Bericht „Land grab!“ auf das Thema aufmerksam gemacht hat, ist die großflächige kommerzielle Landnahme fest in der politischen Diskussion verankert. Immer neue Fälle werden bekannt, immer weitere Aspekte aufgerollt. Auch der Widerstand gegen einzelne Vorhaben und die Strategien, wie Politik, Bauernorganisationen und Zivilgesellschaft auf die Risiken und Gefahren antworten können, entwickeln sich. Insgesamt werden die Lage, die Themen und die Diskussion immer vielfältiger, aber auch unübersichtlicher. Deshalb ein weiteres globe-spotting-Update

Trotz seines Aufstiegs zur globalen Wirtschaftsmacht ist China nach wie vor auch noch ein Agrarland. Dank einer erfolgreichen landwirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen drei Jahrzehnten kann das Land seine inzwischen 1,3 Milliarden Einwohner weitgehend selbst ernähren, gleichzeitig steigen die Agrarexporte und das Auslandsengagement chinesischer Agrarunternehmen. Diese unbekannte Seite von Chinas Entwicklung und ihre Probleme und Auswirkungen behandelt die neue Broschüre “Landwirtschaft in China: Zwischen Selbstversorgung und Weltmarktintegration”.

Faladji sind lebensspendend. Das Wort kommt aus dem Persischen und bezeichnet ein antikes Bewässerungssystem. Für die Wassernutzung in Haushalten und Landwirtschaft sind die faladji oder quanats in vielen ariden arabischen Ländern unverzichtbar Wie die acequias in Mexiko oder die johads in Indien folgen sie einem einfachen Prinzip: An den Berghängen wird das Grundwasser angegraben und dann in Kanälen – die Topographie geschickt nutzend – zu den Siedlungen geleitet. Dabei sind die Nutzungsregeln so festgelegt, dass sich niemand benachteiligt fühlt.

Seit 2006 ist das Aflaj-faladj System in den Regionen Dakhiliya, Sharqiya und Batinah des Sultanats Oman UNESCO-Weltkulturerbe. Sie stellten „eine außergewöhnlich gut erhaltene Form der Landnutzung dar“, heißt es in der Begründung. In den genannten Regionen sind noch 3,000 Kanalsysteme in Benutzung. Im ganzen Land sollen es nach Auskunft des Wasserministeriums 11.000 sein. Warum “faladji” so alt geworden sind wie Methusalem erfahren Sie hier.