Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

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Obwohl Mexiko für das klassische Land Grabbing ein untypischer Fall ist, spielt das Phänomen eine durchaus beachtliche Rolle, wenn man den Blickwinkel erweitert und Land Control Grabbing einbezieht. Bei einer solchen Erweiterung des Blickwinkels wird deutlich, dass auf diese Weise in Mexiko inzwischen 30% der landwirtschaftlichen Nutzfläche durch Dritte kontrolliert werden. Umgekehrt gibt es zaghafte Versuche von Regierungen bestimmter Länder, Land Grabbing durch gesetzlich Regelungen bzw. Moratorien einzudämmen. Daran knüpft sich die Frage an, ob sich bäuerliches Wirtschaften und agrarökologische Methoden, gegen die mit dem Landraub verbundene Großflächenproduktion werden behaupten können. Zwei Beiträge hierzu sind auf www.welt-ernaehrung.de verlinkt.

Vor kurzem begrüßte der zuständige UN-Sonderberichterstatter, dass Mexiko dem Recht auf Nahrung Verfassungsrang eingeräumt hat. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die verfassungsmäßige Anerkennung dieses Rechts nicht nur eine weitere Inszenierung im Rahmen von Mexikos simulierter Demokratie darstellt, ähnlich wie bei anderen völkerrechtlichen Abkommen. In einer kürzlich veröffentlichten Analyse wurde das nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) als wesentlicher Grund für den in Mexiko herrschenden Hunger identifiziert: Ende 2010 lebten 20 Millionen Einwohner Mexikos in “Ernährungsarmut”, einem Zustand, bei dem die betroffenen Personen sich nicht leisten können, eine ausreichende Menge an Grundnahrungsmitteln zu kaufen.

Es wird die Argumentation der Weltbank analysiert, dass mit freiwilligen Richtlinien und “klar definierten Landrechten” das Land Grabbing in den Ländern des Südens von einer Bedrohung in eine Entwicklungschance konvertiert werden könne. Mexiko dient der Weltbank dafür als wichtiger Beispiel. Im Gegensatz dazu kommt die vorliegende Analyse zu der Schlussfolgerung, dass sich die realen Verhältnisse in Mexiko von dem „papiernen“ Mexiko, wie es in den Dokumenten der Weltbank zu finden ist, sehr stark unterscheiden. Wenn Mexiko eines der wichtigen positiven Beispiele ist, dieses aber erhebliche Mängel aufweist, dann wird damit das gesamte Konzept freiwilliger Selbstverpflichtungen als Lösungsansatz für die sozialen und ökologischen Folgen des Land Grabbing in Frage gestellt.

Dem Weltklimarat (IPCC) zufolge wird Mexiko bis zum Jahr 2050 zwischen 13 und 27 Prozent seiner landwirtschaftlicher Nutzfläche verlieren. In den nächsten Jahrzehnten wird mit einer kumulativen Erhöhung der Migration aufgrund klimabedingter Ernteausfälle um sechs bis sieben Millionen Menschen gerechnet, zusätzlich zu der ohnehin seit Jahren stattfindenden Auswanderung aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Misere – so die Einschätzung einer Studie der Princeton Universität (USA). Doch während die mexikanische Regierung mit rhetorischem Umwelt- und Klimaschutz dagegen hält, sind dort Menschen, die sich für diese Ziele tatsächlich einsetzen, Repressionen ausgesetzt.

Kubas Landwirtschaft befindet sich in einer wichtigen Phase. Es existieren günstige Voraussetzungen, um mittelfristig Ernährungssouveränität zu erreichen und es besteht der politische Wille, die ehemals industriell geprägte Landwirtschaft Kubas in eine solche zu transformieren, die von hoch produktiven, nachhaltig wirtschaftenden bäuerlichen Betrieben bestimmt wird. Aber der bewunderten »Revolution der Nachhaltigkeit« droht Gefahr aus der eigenen gentechnischen Ecke. Seit kurzem ist die Diskussion um dieses Thema entbrannt.

Kuba: Ausweitung der Nutzfläche, Fokussierung auf Familienbetriebe, ökologischen Anbau und urbane Gemüseproduktion.
Während von progressiven Agrarwissenschaftlern die kubanische Landwirtschaft als erfolgreiches nationales Experiment gepriesen wird, veröffentlichte Dennis Avery im April 2009 einen Artikel mit dem Titel „Cubans Starve on a Diet of Lies“ (Die Kubaner verhungern an einer Nahrung aus Lügen). Eine Gruppe von Autoren unter Federführung des kubanischen Agrarökologen Fernando Funes hat sich die Mühe gemacht haben, die von Avery in die Welt gesetzten Fehlinformationen zu zerpflücken.

Humberto Ríos Labrada, ein Agrarwissenschaftler aus Kuba, hat den mit 150.000 Dollar dotierten Goldmann Umweltpreis gewonnen. Geehrt wird er für seine Verdienste um die landwirtschaftliche Vielfalt und die Unabhängigkeit der Kleinbauern auf der Zuckerrohr-Insel. Dass vieler seiner Lieder eindeutig nur für Erwachsene sind, hat vielleicht mehr mit  Labrada’s Mission zu tun als man auf den ersten Blick annehmen mag.  Sex ist schließlich die Grundlage aller Vielfalt.

Monsanto und die Kleinwanzlebener Saatzucht, KWS, können nochmal aufatmen: Ein Gericht in San Francisco hat am Dienstag den Antrag auf eine einstweilige Verfügung, den Anbau aller gentechnisch veränderten Zuckerrüben in diesem Jahr zu verbieten, abgelehnt. Nachdem Vertreter von Monsanto glaubhaft erklärt hatten, dass eine solche Verfügung den Zuckerpreis in den USA in die Höhe treiben, tausende von Arbeitsplätze gefährden und Verluste von 1,5 Millarden Dollar verursachen würde, hielt Richter Jeffrey White diesen möglichen Schaden für grösser als jenen, den der Anbau für Bio-Landwirte in diesem Jahr haben könnte.

“Thick as a brick”? Rund tausend Jugendliche trafen sich auf der letzten iGEM, der International Genetically Engineered Machine competition, einem jährlich am MIT in Boston ausgetragenen Wettbewerb für Studenten um die genialsten synthetischen biologischen Systeme. Den Sommer über werkeln sie mit DNA-Teilen an ihren Kreationen, die ihnen vom Standard Registry of Biological Parts der Bio-Brick-Stiftung im Open Source Verfahren per Post zugeschickt wird. Im Herbst treffen sich die Nachwuchs-Kreationisten des 21. Jahrhunderts dann zur grossen Jamboree, auf der die beste Do-it-Yourself-Gentechnik-Kreation prämiert wird.

Der Film “Bananas!” des schwedischen Dokumentarfilmers Frederik  Gertten ist ein erschütternder, mutiger und kontroverser Film. Berlinale Besucher sollten ihn nicht verpassen. Denn noch ist ungewiss ob er je in deutschen Kinos zu sehen sein wird. Die Weltfirma Dole, von deren Bananenarbeitern er handelt, versucht ihn mit allen Mitteln zu unterdrücken; zumindst solange die Öffentlichkeit sich dies gefallen läßt.

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