Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

Zirkulierende Migration, die Rückkehrmöglichkeit zu ihren im ländlichen Bereich gebliebenen Familien, bei Jobverlust oder steigenden Lebenshaltungskosten im urbanen Bereich, ist eine wichtige Überlebensstrategie in Afrika. Doch es besteht die begründete Sorge, dass diese Möglichkeit der Risikominderung mehr und mehr verschwinden wird, nämlich in dem Maße, in dem Agrarkonzerne und die für sie arbeitenden Institutionen die “Hungerbekämpfung” übernehmen. Der Beitrag befasst sich mit Migration, Urbanisierung und der Landfrage – dem laut T.S. Jayne et al. (2014) “am stärksten vernachlässigten entwicklungspolitischen Thema” in Afrika.

Umstrittene Landreform in Simbabwe; Addressing conflicts of interest in Public Private Partnerships; Januar 2015: Rückblick, Ausblick; Die Verantwortung von Konzernen im Wasserbereich; Water Operators and Sustainable Developments Goals; US-Fleischindustrie erpresst Japan partnerschaftlich; China-USA: Regierungen im Dialog, Konzerne im Geschäft; New Alliance fördert großflächige Agrarinvestitionen; u.a.m.

Zum Jahreswechsel gehören die Rückblicke auf Ereignisse und Entwicklungen des vergangenen Jahres, die für wichtig erachtet werden, und der Versuch, vorausschauend mögliche Themen und Schwerpunkte zu benennen. Wie sieht das für Globe-spotting anlässlich des Jahreswechsels 2014 zu 2015 aus?

Historisch betrachtet erstreckte sich die Grüne Revolution über die Zeit von 1940 bis 1970, auch wenn die Prozesse der kapitalistischen Akkumulation, Enteignung, Investition und Innovation in der Landwirtschaft – die erst zwei Jahre vor ihrem offiziellen Ende „Grüne Revolution“ genannt wurden – bereits früher stattfanden und sich weit über 1970 fortsetzten. Ähnlich wie bei der alten Grünen Revolution kam es auch bei der neuen zu einer verspäteten Namensgebung. Der Prozess der Finanzialisierung der Landwirtschaft war längst im Gang, als im Jahr 1997 die ersten Rufe nach einer neuen Grünen Revolution laut wurden, insbesondere in einem Buch von Gordon Conway, das kurz vor dessen Ernennung zum Präsidenten der Rockefeller-Stiftung erschien. Raj Patel wirft einen Blick auf die historische Entwicklung dieses von Mythen behaftete Phänomen.

New Alliance sichert Geschäfte von Land grabbern; Understanding the water and energy challenge; Chinese Agribusiness Social Responsibility in Africa; Große Fischer, kleine Fischer, beste Freunde; Agrarökologie – vergessen oder verdrängt?; West-östlicher Divan der Staudammbauer; How the other half farms; Nyéléni auf deutsch; u.a.m.

Nicht selten ruft die Frage, ob und unter welchen Bedingungen die wachsende Weltbevölkerung ausreichend ernährt werden kann, Ratlosigkeit und Unbehagen hervor. Eine negative Antwort würde den Hungertod Hunderter Millionen Menschen mit kaum vorstellbaren gesellschaftlichen Folgen bedeuten. Schließlich sind schon heute zirka 850 Millionen Menschen unterernährt, was bedeutet, dass alljährlich etwa 10 Millionen Menschen an Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen sterben. Die Frage, was getan werden müsste, um bei gleichzeitig wachsender Weltbevölkerung von diesem Genozid wegzukommen, wird sehr unterschiedlich beantwortet.

Business Parks zur Modernisierung der Landwirtschaft in Afrika; China: Kooperation mit Afrika im Agrarbereich; Noch mehr Leitlinien für Agrarinvestitionen; Den ökonomischen Wert von Wasser bemessen; Politikberatung zum FE2W-Nexus; Machenschaften privater Versorgungsunternehmen im Wassersektor; Weltbank: Politik der Umweltzerstörung; Food safety fears drive business cooperation with China; u.a.m.

Handelsabkommen kriminalisieren bäuerliches Saatgut; Niedergang des Rosen-Königs; Understanding the Energy-Water (and Food) Nexus; 4 Herausforderungen, 4 Chancen und 4 Ideen; BMZ beschneidet Kritik an Agrarkonzernen; ‘Stillen Hunger’ bekämpfen; Neue Zahlen zu großflächiger Landnahme; Entwicklungshilfe für Agrar- und Ernährungskonzerne; Gates-Gelder für Forschung statt für Landwirtschaft; u.a.m.

Energie ist eine wichtige Ressource für die menschliche Zivilisation, und Stickstoff stellt einen unentbehrlichen Pflanzennährstoff dar. Doch mit dem synthetischen Dünger verhält es sich ähnlich wie mit der Atomkraft – beide sind entbehrlich. Und es gibt eine weitere Parallele zur Atomenergie: Beim Stickstoff gibt es eine ähnlich dramatische Umweltbelastung, die jedoch im öffentlichen Bewusstsein deutlich weniger präsent ist. Stickstoff (und Phosphat) sind zwar nicht so gefährlich wie Brennstäbe aus Atomkraftwerken, aber sie werden auch nicht zwischen- oder endgelagert, sondern entweichen in großem Umfang völlig unkontrolliert in die Umwelt.

von Uwe Hoering, November 2014

In bester Manier der Kommunistischen Partei Chinas strukturiert Francesco Rampa, Leiter des Programms Ernährungssicherheit beim European Centre for Development Policy Management (ECDPM), seinen Blog-Beitrag über Ernährung in 4 Herausforderungen, 4 Chancen und 4 Ideen für die EU. Zwar äußert er hier seine persönliche Meinung. Doch der Beitrag zeigt sehr schön die Argumentation, wie gegenwärtig die Verschiebung der Diskussion weg von den Themen Hunger, Armut, Ernährungssicherheit und Verteilungsfragen hin zu ‚Ernährung’ das Einfallstor bietet für die Legitimation von Public-Private Partnerships – und für die Abdankung der Politik aus ihrer entwicklungspolitischen Verantwortung.