Agrardebatte

zu Welternährung und globaler Landwirtschaft

Von Uwe Hoering, Februar 2017: Vor einem Jahrzehnt schien es so, als würde ein ‚Schlafender Riese’ geweckt: Afrika habe das Potential, zum Brotkorb der Welt’ zu werden. Dafür wurde auf private Investoren gesetzt, die ein wirtschaftliches Interesse am Anbau von Nahrungsmitteln wie Reis hätten. Ernährungssicherheit und Armutsminderung schienen so mit kapitalistischer Agrarindustrie kongruent zu werden. Doch die meisten Länder in Afrika südlich der Sahara stehen heute genau da, wo sie vor zehn Jahren standen: Abhängig vom Weltmarkt und von globalen Konzernen. Und die Chance, die einheimische bäuerliche Landwirtschaft zu fördern, wurde vertan.

Zulieferer und Verbraucher gehören zu den Opfern wirtschaftlicher Konzentrationsprozesse im Ernährungsbereich. Preisdruck und Qualitätsschwund sind nur zwei der Folgen. Mit wachsender Marktmacht bestimmen die Konzerne auch zunehmend die Spielregeln unseres Zusammenlebens – zu Lasten von Umwelt, Gesundheit und Demokratie. Einen Eindruck von Tempo und Umfang der heutigen Konzentrationsprozesse erhält man durch einen Blick auf den Bayer-Konzern. Als er 2002 Aventis Crop Science für sechs Milliarden Euro übernahm, sprach die Coordination gegen Bayer-Gefahren vom größten Deal in der Unternehmensgeschichte und verwies darauf, dass es Ende der 1960er Jahre noch 40 „große“ Firmen im Pestizid- und Saatgutsektor gab. Mit dem Kauf von Monsanto hat der größte Deal in Bayers Unternehmensgeschichte nunmehr ein Volumen von 66 Milliarden Euro und über 70% des globalen Pestizid- und Saatgutmarkst wird von 4 bzw. 5 Unternehmen kontrolliert.

Catch ‘em young! Nachwuchssorgen in der Landwirtschaft; Konzernkontrolle über Saatgut durch ‘Ranking'; Widerstand gegen Privatisierung erfolgreich; Heilongjiang wird Gentechnik-freie Provinz – jedenfalls vorerst; Peasant Studies: Explaining resistance and its absence; Challenging Shrinking Civic Space across Africa; Kambodschas Regierung setzt EU-Beobachter auf die ‘lange Bank'; FAO-Website zu Agrarökologie; u.a.m.

Der europäische Phosphorzyklus könnte vollständig geschlossen werden, wenn die importierten chemischen Phosphatdünger komplett gegen biologische und recyclte chemische Phosphordünger ersetzt würden. Damit stiege die Wasserqualität in Europa und viele andere Probleme wären gelöst. Doch um das zu erreichen, müsste das Diktat der »Marktkräfte« überwunden werden.

Im 21. Jahrhundert blickt der globale Norden mit Demut auf die vergangenen zwei Jahrhunderte zurück, in denen im Zuge der Industrialisierung und Globalisierung die Ressourcen des Planeten in großem Stile ausgebeutet wurden. Während das Wissen um das Ausmaß globaler Umweltzerstörung zunimmt, wird der Ruf nach mehr Umweltschutz in der Öffentlichkeit lauter. Auch die weltweit größten Umweltschutz-Nichtregierungsorganisationen (NGOs) haben sich unlängst grüne Agenden auf die Fahnen geschrieben.
Angelehnt an die von Fairhead et al. (2012) gestellte Frage: „Are contemporary modes of appropriation of land and resources for apparently green ends extensions of processes that have long operated, or are they in some sense qualitatively different?” setzt sich die von Rene Vesper im Institut für Geografie der Universität Bonn erstellte Hausarbeit mit dem Thema des Green Grabbing auseinander.

Will Bill Gates’ chickens end African poverty?; The global farmland grab in 2016: how big, how bad?; Landgewinnung durch europäische Firmen und Finanzakteure; Hohe Nahrungsmittelpreise verringern Wachstum; Land politics, agrarian movements, and scholar-activism; The role of private sector in rice value chains; Steter Tropfen höhlt die Landnutzungsrechte in China aus; Plädoyer für die ‘Blaue Ökonomie'; u.a.m.

Rahmenbedingungen für Milchindustrie in Afrika; Europa-Parlament will die ‘New Alliance’ verbessern; Oktober 2016: Monsanto-Tribunal; Konzentrationswelle in der Agrarindustrie; Zunehmende Probleme in China durch Schwermetalle in Böden; Committee on World Food Security (CFS); Bioökonomie als Raubbau der Zukunft?; März 2017: Global Peasants Rights; u.a.m.

Dem Basler Agromulti Syngenta auf der Spur; Die guten Absichten der Nahrungsmittelkonzerne; China: Global Environmental Institute; ‘Waisenpflanzen’ bekommen Stiefeltern; Erfolgsbilanz als Wunschdenken der Gentech-Lobby; Pastoralist Knowledge Hub; Weltbank sucht PPP-Berater für Mauretanien; Saatgut für eine andere Landwirtschaft; u.a.m.

UN Decade of Action on Nutrition; USAID partnert vor allem mit US-Konzernen; PPP soll ‘Mutter Ganga’ retten; Nahrungsmittelimporte ein Damoklesschwert; Blue Economy Business and Science Forum; Transregional Food Networks; Mythen und Wahrheiten über GMOs; Fleischindustrie – ein Investitionsrisiko; Forstplantagen in Mosambik; u.a.m.

Africa Enterprise Challenge Fund (AECF); Blue Carbon: Ocean Grabbing in Disguise?; Recht auf Wasser und Entwicklungszusammenarbeit; “Gates-Stiftung gehört auf den Prüfstand”; The Italian water movement; 22. März 2016 World Water Day; ‘Gelbe Karte’ gegen Sklaverei in der Fischindustrie; Landgrab: “Big, big problem”; u.a.m.

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